Zeche Zollverein: 25 Jahre Weltkulturerbe im Ruhrgebiet
Die Geschichte der Zeche Zollverein beginnt 1847, als der Industrielle Franz Haniel mit dem Abteufen des ersten Schachtes startete; 1851 floss die erste Kohle. Benannt wurde die Zeche nach dem Deutschen Zollverein von 1834. Zwischen 1928 und 1932 errichteten die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer die Schachtanlage XII im Stil der Neuen Sachlichkeit - streng, ornamentlos, ganz nach dem Prinzip "form follows function". Zeitgenossen nannten sie schlicht die "schönste Zeche der Welt". Auf dem Höhepunkt förderten bis zu 8.000 Beschäftigte hier täglich rund 12.000 Tonnen Steinkohle, bevor am 23. Dezember 1986 die letzte Schicht einfuhr.
Am 14. Dezember 2001 nahm die UNESCO die Zeche Zollverein in die Liste des Weltkulturerbes auf - gewürdigt wurde nicht ein einzelnes Gebäude, sondern ein gesamtes industrielles Ensemble aus rund 20 Gebäuden, das die Prinzipien der Neuen Sachlichkeit konsequent auf eine Zechenanlage übertrug. Heute ist aus der ehemaligen Kohlenwäsche das Ruhr Museum geworden, das die Geschichte des Ruhrgebiets von der Erdgeschichte bis zur Gegenwart erzählt. Im früheren Kesselhaus, umgebaut vom britischen Stararchitekten Sir Norman Foster, zeigt das Red Dot Design Museum internationale Designpreisträger. Wo einst Kohle gewaschen und Koks gebrannt wurde, finden heute Ausstellungen, Konzerte und Führungen statt - Strukturwandel, sichtbar gemacht in Backstein und Stahl. Das Gelände zählt heute zu den meistbesuchten Ausflugszielen im Ruhrgebiet.
Wer heute über das Gelände schlendert, folgt fast automatisch der ehemaligen Kohlenbahn: Stählerne Hängebahnen und rostige Fördertrassen ziehen sich wie ein Skelett durch den Kokspark, vorbei an Gebäuden aus dunklem Klinker, die im Abendlicht fast schwarz wirken. Rad- und Wanderwege verbinden das Gelände mit dem gesamten Ruhrgebiet. Wer die Route der Industriekultur abfährt, findet in Zollverein deren unbestrittenen Höhepunkt: ein Ensemble, das zeigt, wie konsequent durchdachte Architektur selbst Kohleförderung in Form bringen konnte. Nachts, wenn die Anlage in Flutlicht getaucht wird, wirkt der Doppelbock über Schacht XII fast wie eine Kathedrale der Industriezeit - kein Zufall, dass Fotografen aus aller Welt genau diesen Moment einfangen wollen. Ein Anblick, der bleibt.
Wer die Zeche Zollverein besuchen möchte, kommt am besten mit der Bahn: Essen Hauptbahnhof ist nur wenige Straßenbahnminuten entfernt, und das Außengelände ist frei zugänglich - nur einzelne Museen und Führungen kosten Eintritt. Im Winter verwandelt sich ein Teil des ehemaligen Kokerei-Areals sogar in eine Eisbahn: Freizeit und Industriekultur direkt nebeneinander. 25 Jahre nach der UNESCO-Ernennung zeigt Zollverein, dass Strukturwandel nicht zwangsläufig Abriss bedeuten muss. Manchmal genügt es, einer stillgelegten Industrieanlage neue Aufgaben zu geben und ihre Architektur einfach stehen zu lassen - als Denkmal und Werkstatt zugleich.


