Verborgene Pracht: Die Hofkirche der Würzburger Residenz

Verfasst von: Stefan Siedler
(Bild: Natalia Siedler)
Würzburg [SiSt24] Von außen verrät die Würzburger Residenz nichts von dem, was sich in ihrer südwestlichen Ecke verbirgt. Hinter einer schlichten, viergeschossigen Fassade liegt die Hofkirche, ein Raum aus geschwungenen Wänden und drei ovalen Kuppelgewölben, den Balthasar Neumann dort völlig unerwartet einfügte. Trotz ihrer geringen Größe zählt sie zu den vollendetsten Sakralbauten des 18. Jahrhunderts in Deutschland, wegen ihrer außergewöhnlichen Raumstruktur ebenso wie wegen der künstlerischen Ausstattung. Geweiht wurde sie 1743, der Eintritt ist bis heute frei.
(Bild: Natalia Siedler)

Die aufwendige Ausstattung der Hofkirche entstand zwischen 1735 und 1743 und geht in Teilen auf Entwürfe von Lucas von Hildebrandt zurück, jenem Wiener Architekten, der zugleich einer von Neumanns schärfsten Konkurrenten um die Gunst der Bauherren war. Trotzdem, oder gerade deswegen, floss seine Planung in einen der prächtigsten Kirchenräume Frankens ein. Die Deckenfresken stammen von Rudolph Byss und seinen Schülern, den Stuck sowie zahlreiche Stuckfiguren schuf der Tessiner Bildhauer Antonio Bossi. Am Hochaltar flankieren zwei Marmorskulpturen der fränkischen Bistumspatrone Kilian und Burkard das Zentrum des Raumes, geschaffen von Johann Wolfgang van der Auwera, einem der bedeutendsten Würzburger Bildhauer seiner Zeit. Zusammen ergibt das eine Ausstattung von bemerkenswerter Dichte auf denkbar kleinem Raum.

(Bild: Natalia Siedler)

Für die beiden Seitenaltäre lieferte kein Geringerer als Giovanni Battista Tiepolo die Gemälde, im Jahr 1752 entstanden, während der venezianische Meister ohnehin in Würzburg weilte, um die großen Deckenfresken im Treppenhaus und Kaisersaal zu vollenden. Dargestellt sind der Engelsturz und die Himmelfahrt Mariens, zwei Motive, die Tiepolo mit der für ihn typischen Leichtigkeit und Farbigkeit umsetzte, ein deutlicher Kontrast zur strengen Fassade, hinter der sich all das verbirgt. Restauriert wurden auch die Deckenfresken von Rudolph Byss, die trotz intakter Wölbung nach dem Zweiten Weltkrieg durch eindringende Feuchtigkeit beschädigt worden waren und mühsam wiederhergestellt werden mussten. Wer die Hofkirche betritt, ahnt von außen kaum, welche Namen der Kunstgeschichte hier versammelt sind.

(Bild: Natalia Siedler)

Die Hofkirche lässt sich zu den regulären Öffnungszeiten der Residenz besichtigen, über einen eigenen Zugang vom vorderen Südhof aus, unabhängig vom Rundgang durch die Prunkräume. Während Gottesdiensten und Trauungen bleibt ein Besuch allerdings nicht möglich, was bei der Planung berücksichtigt werden sollte. Anders als für die Residenz selbst wird für die Hofkirche kein Eintritt fällig, ebenso wenig wie für den benachbarten Hofgarten. Damit lässt sich ein Besuch der Kirche unkompliziert mit einem Spaziergang durch den Garten verbinden, ohne dass am selben Tag zwingend auch die kostenpflichtigen Prunkräume besichtigt werden müssten. Wer beides an einem Tag unterbringen möchte, plant am besten etwas mehr Zeit ein, als für die Residenz allein üblich wäre.

(Bild: Natalia Siedler)

Insgesamt zählt die Hofkirche zu jenen Teilen der Residenz, die den Krieg vergleichsweise glimpflich überstanden haben, auch wenn die Deckenfresken nachträglich rekonstruiert werden mussten. Zusammen mit Treppenhaus und Kaisersaal gehört sie zu den Räumen, in denen sich die künstlerische Handschrift dreier Fürstbischofsgenerationen bis heute unmittelbar erleben lässt. Wer Würzburg besucht, sollte sich für diesen kleinen, aber dichten Raum ebenso viel Zeit nehmen wie für die großen Säle der Residenz, denn hinter der unscheinbaren Fassade wartet einer der aufwendigsten Kirchenräume Frankens. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten und aktuellen Terminen bietet die Bayerische Schlösserverwaltung auf ihrer Website, ebenso Hinweise zu Gottesdienstzeiten, während derer ein Besuch der Hofkirche nicht möglich ist. Es lohnt sich.