Rokoko ohne Eintritt: Der Hofgarten der Residenz
Mayer teilte das nach Süden und Osten abfallende Gelände in drei etwa gleich große Bereiche: den Ostgarten, den Südgarten und eine Gärtnerei zur Anzucht. Der Ostgarten setzt die zentrale Achse der Residenz fort und wird von einem großen, kreisrunden Broderieparterre dominiert, jenen kunstvoll aus Buchsbaum geschnittenen Ornamentbeeten, die dem französischen Gartenstil seinen Namen geben. Ursprünglich war hier sogar eine Kaskade geplant, die das Gelände stufenweise zur Bastion hin abgesenkt hätte. Gebaut wurde sie nie. In den vergangenen Jahren wurden die historischen Blumenbeete im Ostgarten nach alten Plänen rekonstruiert, mit Sorten, die im 18. Jahrhundert tatsächlich zur Verfügung standen. Wer heute durch die Wege schlendert, sieht ein Stück Gartenkunst, das der Zeit Mayers erstaunlich nahekommt und trotzdem lebendig bleibt, weil es gepflegt und nicht nur konserviert wird.
Ganz anders wirkt der Südgarten: flach statt terrassiert, streng statt verspielt. Acht große, zu Kegeln geschnittene Eiben umstehen dort ein rundes Wasserbecken, eine Formensprache, die im Vergleich zum blühenden Ostgarten fast nüchtern wirkt, aber genau darin ihren Reiz hat. Auch hier wurden historische Blumenrabatten in den letzten Jahren wieder hergerichtet. Unterhalb der Orangerie liegt der frühere Küchengarten, in dem 2001 junge Obstbäume nach alten Schnitttechniken gepflanzt wurden, eine Reminiszenz an Johann Prokop Mayer, der sich in seinem dreibändigen Werk "Pomona Franconica" ausführlich mit den Obstsorten des Frankenlandes beschäftigt hatte. Der Hofgarten ist damit kein reines Schaustück, sondern immer noch ein Ort, an dem gegärtnert wird, so wie es Mayer selbst vorgesehen hatte.
Seit 1981 zählt der Hofgarten gemeinsam mit der Residenz und dem Residenzplatz zum UNESCO-Weltkulturerbe, als Teil einer der bedeutendsten Barockanlagen nördlich der Alpen. Anders als die Prunkräume ist der Garten dabei uneingeschränkt und kostenlos zugänglich: täglich geöffnet bis zum Einbruch der Dunkelheit, längstens bis 20 Uhr. Wer die Residenz besichtigt, sollte sich also unbedingt Zeit für einen anschließenden Spaziergang nehmen, allein schon, um zu sehen, wie unterschiedlich Ostgarten und Südgarten trotz gemeinsamer Entstehungszeit wirken. An zwei Terminen im August, dem 7. und 8., schließt der Garten wegen Großveranstaltungen auf dem Residenzplatz bereits um 16 Uhr, ein Hinweis, den Besucher vorab beachten sollten. Der Eintritt in den Hofgarten kostet dabei nach wie vor keinen einzigen Cent, ein seltener Fall bei einer Sehenswürdigkeit dieses Rangs.
Weitere Informationen zu Öffnungszeiten und aktuellen Hinweisen bietet die Bayerische Schlösserverwaltung online, ebenso einen Gartenplan zur Orientierung vor Ort. Kombiniert mit einem Besuch der Residenz selbst oder der benachbarten Hofkirche lässt sich so ein ganzer Tag rund um das Würzburger Weltkulturerbe gestalten, ohne dass für den Garten auch nur ein Cent Eintritt fällig wird. Veranstaltungen und Themenführungen, etwa für Familien, werden ebenfalls über die Website der Residenz angekündigt. Wer öfter in Würzburg unterwegs ist, dem sei zudem die Jahreskarte der Bayerischen Schlösserverwaltung empfohlen, mit der sich über vierzig weitere Sehenswürdigkeiten im Freistaat besuchen lassen. Weitere Informationen: www.residenz-wuerzburg.de. Ausführlicher Hintergrundbericht mit weiteren Bildern: sist24-media.eu. Beide Seiten zusammen liefern einen guten Überblick für die Planung des eigenen Besuchs.


