Neuss lädt zur LAGA – und vergisst fast alles andere

Verfasst von: Stefan Siedler
Landesgartenschau 2026 in Neuss
Landesgartenschau 2026 in Neuss  Bild: Natalia Siedler
Eine Landesgartenschau ist eine sichere Sache. Natur, frische Luft, Blumen. Die LAGA Neuss 2026 hält dieses Versprechen auf weiten Strecken ein, wäre da nicht eine Reihe von Dingen, die man so nicht erwartet hätte. Sie fangen vor dem Eingang an, ziehen sich durch das Gelände, und enden an der Ausfahrt mit einem Blitzer. Wer trotzdem fährt, wird einen gepflegten Nachmittag haben. Wer nicht fährt, verpasst vermutlich nichts Unverzichtbares.

Das Ticket enthielt den Hinweis, die Buchungsbestätigung ausgedruckt mitzubringen. Unnötig, der QR-Code auf dem Smartphone funktioniert problemlos. Warum das nicht vorher so kommuniziert wurde, bleibt das erste kleine Rätsel des Tages. Auf Anfragen im Vorfeld kamen Antworten, die man freundlicherweise als dünn bezeichnen kann. Beim Parken wird es dann ungemütlicher. 2 Kassenautomaten! Das System läuft über Wemolo, der QR-Code im Verkehrszeichen hängt auf 2,50 m und ist aus Bodennähe schlicht nicht erkennbar. Wer EasyPark nutzt und Kennzeichen sowie Videoscan für Parkhäuser eingerichtet hat, wird hier kommentarlos erfasst, inklusive Servicegebühr, ohne einen einzigen Hinweis darauf. Das Kassenteam war freundlich. Mit der Parkplatzsituation hatte es allerdings auch nichts zu tun.

(Bild: Natalia Siedler)

Auf dem Gelände selbst sucht man zunächst die Orientierung. Der Geländeplan existiert in zwei Versionen: einmal klein mit Norden nach Osten gedreht, einmal groß mit Norden oben. Beide zeigen dasselbe Areal, laden aber aus Gewohnheit zu verschiedenen Schlussfolgerungen ein. Wer jemanden mitbringt, der einen Leihrollstuhl benötigt, muss den zuständigen Container erst finden (an der Kasse OST). Eine Beschriftung fehlt. Dass breitere Teile des Geländes nur spärlich bepflanzt sind, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass Corona die reguläre Planungszeit schlicht gefressen hat. Das nimmt man dem Veranstalter nicht übel. Dass die Beete aber auf dem Gelände deutlich eintöniger wirken als das ganz gewöhnliche Straßenbegleitgrün direkt davor, ist dafür ein Punkt, über den man ruhig nachdenken darf.

(Bild: Natalia Siedler)

Was die LAGA Neuss gut macht, macht sie wirklich gut. Das Gelände am Rhein ist großzügig angelegt, die Wegeführung auf dem Areal ist über weite Strecken angenehm, und wer Kinder mitbringt, hat genug zu entdecken. Zwei Trinkwasserbrunnen stehen bereit, was an einem warmen Tag mehr wert ist als manches Blumenbeet. Das Gesamtkonzept denkt über die Schau hinaus: Nach Ende der Landesgartenschau im Oktober 2026 bleibt das Gelände als dauerhafter Stadtpark erhalten, als grüne Lunge mitten in Neuss. 38 Hektar, 2.200 neu gepflanzte Bäume, ein See mit Terrassenanlage. Was davon bis Oktober fertig bepflanzt und belebt ist, entscheidet am Ende über den Gesamteindruck. Der Rahmen jedenfalls steht, und er ist nicht schlecht.

(Bild: Natalia Siedler)

Wer das Gelände abläuft, stößt irgendwann auf einen gut zehn Meter breiten Sandstreifen, der sich im Bogen durch den Park zieht. Er ist auf den Geländeplänen eingezeichnet, er ist nicht zu übersehen, und er erklärt sich nicht von selbst. Es ist die erhaltene Sandbahn der ehemaligen Galopprennbahn, auf der über 150 Jahre lang Pferdesport stattfand. Die Richtertürme stehen noch, ebenso 40 Flutlichtmasten, die das Gelände früher auch in den Wintermonaten für Rennen nutzbar machten. Wer das weiß, sieht den Ort mit völlig anderen Augen. Wer es nicht weiß, läuft über Sand und fragt sich, warum hier nichts wächst. Ein Schild mit zwei Sätzen Geschichte hätte gereicht. Das wäre auch Gartenschau gewesen.