Grube Messel: Fossilienjagd im Weltnaturerbe

Verfasst von: Stefan Siedler
Grube Messel
Grube Messel  Bild: Stefan Siedler
Messel (SiSt24) In der Grube Messel bei Darmstadt liegen Fossilien, die andernorts längst verwittert wären, mit Federn, Fell und dem letzten Mageninhalt. Seit 1995 zählt das ehemalige Ölschieferbergwerk zum UNESCO-Weltnaturerbe. Wer selbst einmal graben möchte, muss dafür keine Ausbildung mitbringen: Im Angebot GRAB'MAL suchen schon Sechsjährige unter fachkundiger Anleitung nach echten Fossilien, direkt am Grubenrand.

Vor 47 Millionen Jahren lag hier, mitten im tropischen Odenwald, ein Kratersee, entstanden durch eine sogenannte Maarexplosion, bei der heißes Magma auf Grundwasser traf. Algen besiedelten den See, bildeten zweimal im Jahr dichte Blütenteppiche und sanken auf den sauerstoffarmen Grund. Was mit ihnen hinabsank, verweste dort nicht, sondern blieb erhalten, bis heute so vollständig, dass sich an manchen Fundstücken noch der letzte Mageninhalt bestimmen lässt. Über eine Million Jahre lagerten sich die Sedimente ab, verdichteten sich zu rund 190 Metern Ölschiefer und wurden ab dem 19. Jahrhundert zunächst nach Braunkohle, später nach Paraffin und Öl industriell abgebaut. Genau das macht die Grube für Forschende bis heute so wertvoll!

(Bild: Stefan Siedler)

Aus diesem stillgelegten Tagebau ist heute eine der ergiebigsten Fossilfundstätten der Welt geworden, an der unter anderem die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und das Hessische Landesmuseum Darmstadt forschen. Dass die Grube heute noch existiert, war lange keineswegs sicher. In den 1970er- und 80er-Jahren sollte der Ölschiefer-Tagebau zur Mülldeponie werden, Kläranlage und Verwaltungsgebäude waren bereits errichtet, mehr als 65 Millionen D-Mark investiert. Erst ein Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs stoppte 1987 die geplante Inbetriebnahme wegen gravierender Rechtsmängel im Planfeststellungsverfahren. 1991 kaufte das Land Hessen die Fläche für 32,6 Millionen D-Mark, 1995 folgte die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. Der überstandene Kampf um die Deponie ist bis heute Teil der Museumsausstellung und macht die Grube zu einem seltenen Beispiel geglückten Naturschutzes gegen wirtschaftliche Interessen.

(Bild: Stefan Siedler)

Im Besucherzentrum an der Grube zeigt die Dauerausstellung Originalfossilien und erklärt die Entstehung des Ölschiefers, ergänzt um die Sonderschau „MESSEL 30+" zum 30-jährigen Welterbe-Jubiläum. Die Grube selbst lässt sich nur im Rahmen einer Führung besichtigen, festes und flaches Schuhwerk ist dabei Pflicht. Wer lieber selbst gräbt, findet im Angebot GRAB'MAL echten Ölschiefer aus den laufenden Forschungsgrabungen: Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene spalten das Gestein unter fachkundiger Anleitung und bestimmen ihre Funde anschließend unter dem Mikroskop. Die knapp 45-minütige Grabung findet donnerstags, samstags und sonntags statt, in den hessischen Schulferien zusätzlich dienstags. Wer die Grabung mit Kindern plant, bucht am besten frühzeitig, da die Termine gerade in den Ferien schnell ausgebucht sind.

(Bild: Stefan Siedler)

Sie kostet 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Kinder unter sechs Jahren sind in Begleitung eines Erwachsenen frei. Der Außenbereich mit Waldkunstpfad, Spielplatz, Bienenstöcken und Aussichtspunkt ist ganzjährig frei zugänglich. Einmal im Jahr, beim Messeler Grubenfest, ist zudem der komplette Tag kostenfrei. Für Familien mit kleinen Kindern eignet sich vor allem der Vormittag, wenn es in der Grube noch ruhiger zugeht. Geöffnet hat die Grube von Mitte März bis Mitte November täglich, sonst von Mittwoch bis Sonntag, jeweils 10 bis 17 Uhr. Museumseintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Familien 17 Euro. Adresse: Welterbe Grube Messel gGmbH, Roßdörfer Straße 108, 64409 Messel, Telefon 06159 71759-0. Wer sich vorab informieren möchte, findet Öffnungszeiten, Preise und Anmeldeformulare für Führungen und GRAB'MAL direkt auf der Website der Welterbe Grube Messel gGmbH.

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