Fuggerhäuser und Fuggerkapelle Augsburg – Erbe in Stein

Verfasst von: Stefan Siedler
Eingang Fugger-Villa
Eingang Fugger-Villa  Bild: Stefan Siedler
Augsburg [SiSt24] Die Fuggerei kennen viele, doch das Erbe der mächtigsten Kaufmannsfamilie der Frühen Neuzeit reicht weit über die achtspurige Sozialsiedlung hinaus. Auf der Maximilianstraße stehen die Fuggerhäuser mit ihren drei Arkadeninnenhöfen, wenige Schritte entfernt in der Kirche St. Anna liegt die Grabstätte der Familie: die erste sakrale Renaissancekapelle Deutschlands, verborgen in einem evangelischen Kirchenschiff.

Die Fuggerhäuser auf der Maximilianstraße 36-38 waren ab dem frühen 16. Jahrhundert das Zentrum des Fugger-Imperiums. Von hier aus steuerte Jakob Fugger Handelsverbindungen, die von Venedig bis nach Antwerpen reichten, finanzierte Kaiser und Päpste und entwickelte Finanzinstrumente, die Grundlagen des modernen Bankwesens legten. Die drei Innenhöfe des Stadtpalais, mit ihren Arkadenrundgängen einem venezianischen Vorbild folgend, galten in ihrer Zeit als Sinnbild weltläufigen Bürgertums. Heute nutzen Unternehmen das Gebäude als Bürofläche, die Innenhöfe sind zugänglich. Wer hindurchgeht, betritt einen Raum, in dem ein Einzelner mehr Einfluss auf die Politik Europas hatte als mancher Fürst.

(Bild: Siedler Stefan)

Nur wenige Minuten entfernt, in der Annastraße, liegt die evangelische Kirche St. Anna mit der Fuggerkapelle im Westchor. Was auf den ersten Blick nach einem gewöhnlichen Kirchenraum aussieht, ist bei näherer Betrachtung ein konfessionelles Kuriosum: eine katholische Grabstätte, die seit 1548 in einer protestantischen Kirche liegt. Als St. Anna lutherisch wurde, zahlten die Fugger trotzdem weiter für den Unterhalt der Kapelle, und die Fuggerschen Stiftungen tun das bis heute. Ein Gitter der Nürnberger Vischer-Werkstatt, das die Kapelle vom Kirchenschiff trennen sollte, wurde nie abgenommen und nie eingebaut. Am 4. November 1806 versteigerte Nürnberg es, die Stadt brauchte Geld. Im Dezember desselben Jahres schmolz man es am Hauptmarkt ein. Von einem der bedeutendsten Bronzegitter der Renaissance blieb am Ende nur Rohmaterial übrig.

(Bild: Siedler Stefan)

Die Fuggerkapelle entstand zwischen 1509 und 1512, die Weihe folgte am 17. Januar 1518. Kunsthistorisch gilt sie als erster sakraler Renaissancebau in Deutschland, ein Zeugnis der schlackenlosen Verbindung venezianischer Vorbilder mit einheimischer Handwerkstradition. Jakob Fugger, Georg und Ulrich Fugger planten die Kapelle ursprünglich als Familiengrabstätte; nach dem Tod der Brüder ließ Jakob ihre Gebeine zur Einweihung in die neue Kapelle überführen. Er selbst wurde 1525 dort bestattet. An der Ausstattung arbeiteten die bedeutendsten Künstler ihrer Zeit: Albrecht Dürer entwarf die Epitaphe für Georg und Ulrich Fugger, der schwäbische Bildhauer Hans Daucher schuf die Fronleichnamsgruppe aus Marmor sowie die sechs Putten auf der Marmorbrüstung. Jörg Breu der Ältere bemalte die Orgelflügel.

(Bild: Siedler Stefan)

Was Fuggerhäuser und Fuggerkapelle gemeinsam haben, geht über den Namen hinaus: Beide entstanden in einer Zeit, in der ein einziger Familienzweig mehr Kapital kontrollierte als manche Fürstentümer, und beide sind heute öffentlich zugänglich, ohne dass der Staat dafür zahlt. Die Fuggerkapelle gehört formal zur evangelischen Kirchengemeinde St. Anna, wird aber von der Fuggerschen Stiftung finanziert. Die Fuggerhäuser auf der Maximilianstraße sind kein Museum, kein Denkmal für Touristen, sondern ein genutztes Gebäude mit einer Vergangenheit, die man beim Durchqueren der Innenhöfe noch spürt. Wer alle drei Stationen an nur einem Tag abläuft, Fuggerei, Fuggerhäuser und Fuggerkapelle, legt dabei kaum mehr als 1.000 Meter zurück und deckt damit fünf Jahrhunderte Stadtgeschichte ab.

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