Frankfurt-Höchst: Alte Mauern, lebendige Gassen
Frankfurt-Höchst zeigt eine Seite der Stadt, die sich auf einem Spaziergang gut erschließt. Vom Mainufer führt der Weg an der alten Stadtmauer vorbei zum Schloss und weiter in Gassen mit Fachwerkhäusern. Die Justinuskirche liegt nur wenige Schritte entfernt. Wer hier unterwegs ist, sieht kein geschlossenes Museumsviertel, sondern einen Stadtteil mit Wohnungen, Geschäften und Menschen, die ihren Alltag zwischen alten Mauern verbringen. Gerade das macht Höchst interessant: Die Geschichte steht nicht hinter einer Absperrung. Sie begleitet den Weg durch Straßen und Plätze, die bis heute genutzt werden.
Am Main beginnt Höchst mit Platz zum Schauen. Auf der einen Seite liegt das Wasser, auf der anderen steigen Stadtmauer und Gebäude der Altstadt an. Vom Ufer aus lässt sich gut erkennen, warum der Fluss für den Ort mehr war als eine schöne Kulisse: Hier kamen Wege und Menschen zusammen. Heute gehen Spaziergänger am Wasser entlang, während hinter ihnen der Verkehr der Stadt weiterläuft. Der Blick wechselt zwischen Fluss, Bäumen und historischen Bauten. Die Tourist-Information empfiehlt das Mainufer als Ausgangspunkt für einen Rundgang durch Höchst. Das ist ein guter Gedanke, denn der Stadtteil zeigt hier gleich zwei seiner Seiten: seine offene Lage am Wasser und die alten Gassen oberhalb der Mauer.
Auf dem Weg zum Schloss in Höchst führen Mauern und Durchgänge in ein anderes Kapitel der Stadt. Hinter den Toren öffnen sich Höfe und Grünflächen; von dort fällt der Blick wieder zum Main. Die Anlage wirkt nicht wie ein einzelnes Gebäude, das man von außen betrachtet. Sie bildet mit ihren Wegen und Mauern einen eigenen kleinen Bereich, durch den sich die Geschichte des Ortes erschließt. Über lange Zeit residierten hier Amtsträger des Mainzer Erzbistums. Wer heute unter einem der steinernen Bögen hindurchgeht, erlebt zunächst etwas ganz Einfaches: Nach der engen Passage entsteht plötzlich Raum. Gerade solche Wechsel geben dem Spaziergang seinen Rhythmus und machen das Schloss auch ohne Führung zugänglich. Der Blick durch die Bögen lohnt einen kurzen Halt.
Wenige Schritte weiter steht die Justinuskirche. Ihr Bau begann im 9. Jahrhundert; damit gehört sie zu den ältesten erhaltenen Kirchen Deutschlands. Von außen wirkt sie zurückhaltend. Innen fallen die Säulen, Bögen und die unterschiedlichen Bauphasen auf. Der Raum lädt dazu ein, langsamer zu werden und genauer hinzusehen. Dass die Kirche noch immer genutzt wird, verbindet ihre lange Geschichte mit dem Leben im Stadtteil. Auf den Fotos sind sowohl das Äußere als auch der Blick in das Kirchenschiff festgehalten. Gerade dieses Paar erzählt mehr als eine einzelne Jahreszahl: Die Kirche gehört zum Straßenbild von Höchst und bewahrt im Inneren Architektur aus einer Zeit, die weit vor der Entstehung Frankfurts als heutiger Großstadt liegt.
Rund um den Schlossplatz und in den benachbarten Straßen stehen Fachwerkhäuser dicht beieinander. Mal ist das Holz rot gestrichen, mal dunkel; Fensterläden, Türen und Giebel geben jedem Haus einen eigenen Ausdruck. Dazwischen laufen Menschen zu ihren Wohnungen, bleiben vor einem Schaufenster stehen oder überqueren den Platz. Bis 1928 war Höchst eine eigene Stadt. Das erklärt, weshalb der Stadtteil ein Zentrum besitzt, das sich nicht wie eine bloße Verlängerung der Frankfurter Innenstadt anfühlt. Der Rundgang endet deshalb am besten ohne festen Schlusspunkt. Wer noch eine Gasse weitergeht, findet oft einen neuen Blick auf die Häuser und versteht, warum viele Höchst als einen Ort mit eigenem Charakter erleben. Dafür braucht es keinen Stadtplan.


