Andechs: Bayerns ältester Wallfahrtsort auf dem Heiligen Berg

Verfasst von: Stefan Siedler
Wallfahrtskirche Kloster Andechs
Wallfahrtskirche Kloster Andechs  Bild: Stefan Siedler
Auf dem Heiligen Berg über dem Ammersee liegt Bayerns ältester Wallfahrtsort: Kloster Andechs. Seit fast 900 Jahren pilgern Menschen zur Klosterkirche, in der drei Heilige Hostien und Reliquien der Dornenkrone aufbewahrt werden. Nach Altötting ist Andechs die zweitwichtigste Wallfahrtsstätte Bayerns und bis heute ein lebendiger Ort des Glaubens.

Die Wallfahrt nach Andechs ist seit 1128 belegt und gilt damit als Bayerns älteste. Ihren Ursprung hat sie in einer Legende: Graf Rasso, ein Vorfahre der Grafen von Andechs, soll im 10. Jahrhundert von einer Pilgerreise ins Heilige Land wertvolle Reliquien mitgebracht haben. Sie kamen auf die Burg Andechs, deren Kapelle sie über Generationen bewahrte. 1248 wurde die Burg zerstört, die Reliquien galten lange als verschollen. Erst 1388 tauchten sie wieder auf, versteckt unter dem Altar der ehemaligen Burgkapelle. Dieser Fund prägt die Wallfahrt bis heute und machte Andechs zu Bayerns bedeutendstem Wallfahrtsort nach Altötting.

(Bild: Stefan Siedler)

Im Zentrum der Verehrung stehen drei Heilige Hostien: Zwei sollen von Papst Gregor dem Großen im 6. Jahrhundert stammen und zeigen blutfarben ein Kreuz und ein Fingerglied, die dritte trägt das Christusmonogramm und wird Papst Leo IX. zugeschrieben. Dazu kommen weitere Reliquien wie ein Partikel der Dornenkrone Christi, das sogenannte Siegeskreuz Karls des Großen, ein Kopfreliquiar der heiligen Hedwig sowie Stücke aus dem Brautkleid der heiligen Elisabeth. Um 1715 zählte der Andechser Heilige Schatz noch 277 einzelne Reliquien. Am 26. Mai 1388 wurde schließlich der Kern des Schatzes unter dem Altar der zerstörten Burgkapelle wiederentdeckt. Bis heute erinnert daran das Dreihostienfest, das jedes Jahr am vierten Sonntag nach Pfingsten mit einer feierlichen Prozession begangen wird.

(Bild: Stefan Siedler)

Die heutige Klosterkirche entstand zwischen 1423 und 1427 als gotische Hallenkirche mit drei Schiffen und Chorumgang, ein Grundriss, der trotz späterer Umbauten bis heute erkennbar ist und einst auch großen Pilgergruppen Platz bot. Geweiht ist sie dem Heiligen Nikolaus von Myra und der heiligen Elisabeth von Thüringen, die selbst aus dem Grafengeschlecht von Andechs stammte. Im 17. Jahrhundert wurde der gotische Bau barockisiert, zwischen 1751 und 1755 gestaltete Johann Baptist Zimmermann das Innere im Stil des Rokoko um. Stuck, Deckenfresken und vergoldete Altäre prägen seither das Erscheinungsbild. Zusammen mit seinem Bruder Dominikus, der wenige Jahre zuvor die nahe Wieskirche schuf, zählt Zimmermann zu den prägenden Baumeistern des bayerischen Rokoko. Die Wallfahrtskirche Andechs steht heute unter Denkmalschutz.

(Bild: Stefan Siedler)

Seit 1850 ist Andechs Propstei der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München, die Mönche leben und arbeiten weiterhin auf dem Berg. Die Brautradition reicht bis zur Versorgung der ersten Wallfahrer zurück, bis heute betreibt das Kloster seine eigene Brauerei, deren Bier im angeschlossenen Bräustüberl direkt neben der Kirche ausgeschenkt wird. Das Bräustüberl hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, eigene Brotzeit ist dort ausdrücklich erlaubt. Für viele Besucher gehört der Ausflug auf den Heiligen Berg deshalb ebenso zur Wallfahrt wie der Blick auf den Ammersee und die umliegenden Alpen. Jährlich zählt Andechs rund 350.000 Besucher, darunter mehr als 30.000 organisierte Wallfahrer aus etwa 120 Gemeinden. Kloster und Kirche bleiben damit ein Ort, an dem religiöse Tradition und bayerischer Alltag nah beieinander liegen.