The Smarter E Europe: Was die Energiewende kostet
The Smarter E Europe vereint vier Fachmessen unter einem Dach: Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe. Das Konzept dahinter ist simpel: Wer Strom erzeugt, braucht Speicher. Wer Speicher hat, braucht eine Wallbox. Wer eine Wallbox hat, braucht Netzmanagement. Alle vier Disziplinen fanden sich hier auf einer Fläche. Schon vor Messeende stand fest, dass es 2027 weitergeht, dann über vier statt drei Tage. Das Thema, das über sämtliche Hallen hinweg auftauchte, war das Megawatt Charging System, nicht als Zukunftsvision, sondern als serienreifes Exponat.
Schneider Electric zeigte auf der diesjährigen Power2Drive seinen StarCharge Fast MCS (Mega-Watt-Charging-System) mit einer über normale Verhältnisse hinauswachsende Ladeleistung von bis zu 1,44 Megawatt, auf dem Standschild ohne Marketing-Weichzeichner ausgewiesen. Phoenix Contact legte beim Hochleistungsladen nach: Das HPC-Konzept deckte sämtliche relevanten Steckerstandards ab, NACS, CCS Typ 1, CCS Typ 2 und MCS. Die angegebenen Ladestromwerte, über 1.000 Ampere im Boost-Modus, 800 Ampere im Dauerbetrieb, waren keine Laborwerte mehr, sondern Produktspezifikationen. An Stand B5.670 zeigte SpotMyEnergy, was passiert, wenn Solaranlage, Smart Meter und dynamischer Stromtarif zusammenarbeiten. Die App-Demonstration war nüchtern: Eine Anlage ohne smarte Steuerung lässt zu viel Ertrag auf der Strecke, stand so auf dem Schild, ehrlicher als mancher Beratungsvortrag.
Im Intersolar-Bereich zeigte sich, was der Großspeichermarkt gerade durchmacht: Growatt, SMA, ABB und DELTA standen auf engstem Raum nebeneinander. Das dort gezeigte 125-Kilowatt-261-Kilowattstunden-System war kein Einzelexponat, sondern eines von vielen vergleichbaren Systemen im direkten Vergleich, der Wettbewerb ist längst angekommen. Schneider Electric hatte mit dem Hallenauftritt rund um Stand B6.550 eine der auffälligeren Präsenzflächen der gesamten Messe. Das Motto "All you need for the road ahead" klang nach Marketing, war aber mit echter Hardware unterlegt, Wallboxen, Depot-Lader und Megawatt-Charging-System, alles in einer einzigen Produktfamilie vereint. Wer dachte, auf einer Messe dieser Größe hätten kleine Unternehmen keinen Platz, wurde im Young-Innovators-Bereich eines Besseren belehrt, denn das Förderprogramm für junge deutsche Unternehmen war dort sichtbar präsent.
Die Messe stand unter dem Leitthema zuverlässig, kostengünstig, klimaneutral. Ob das auf jedes Produkt in jeder Halle zutraf, bleibt Einschätzungssache. Zutreffend war: Die Technik ist reifer als die Rahmenbedingungen in vielen Ländern, und die Branche weiß das selbst am besten. Genehmigungsverfahren, Netzanschlusskapazitäten und uneinheitliche Förderlogik zwischen den europäischen Staaten bremsen aktuell mehr als fehlende Hardware. Auf der für 2027 terminierten Ausgabe soll die Messe deshalb konsequent wachsen, dann über vier statt drei Tage. Wer 2026 durch die Hallen ging, sah eine Branche, die technisch liefert und auf die Politik wartet. Das Werkzeug liegt bereit, montiert, zertifiziert und ausgestellt. Ob es zum Einsatz kommt, entscheidet sich nicht in München, sondern in den Ministerien. Weitere Artikel und Bildstrecken von Stefan Siedler: sist24-media.eu


