Notfallkommunikation ohne Festnetz oder Mobilfunk - Geht das?

Verfasst von: Kai Pistorio
Notfallkommunikation mit Mesh-Netzwerken
Notfallkommunikation mit Mesh-Netzwerken  Bild: KI-generiert (Google Gemini)
In unserer digitalen Welt sind wir es gewohnt, es stets bei uns zu haben: Unser Smartphone. Es begleitet uns in jeder Lebenssituation und wir vertrauen stets darauf, dass es uns zu jeder Zeit zur Verfügung steht. Kommt es zu einer Notlage, nutzen wir es, um Hilfe anzufordern. Doch wie holt man Hilfe, wenn man keinen Funkempfang hat, das Mobilfunknetz ausfällt oder ein Stromausfall herrscht?

Dass unser Handynetz ab und an einmal ausfällt, sind viele von uns bereits gewohnt. Ebenso verhält es sich mit dem Anschluss zu Hause. In den meisten Fällen ist die Störung schnell behoben. Ärgerlich, aber nicht dramatisch. Doch fällt nun zusätzlich auch noch der Strom aus, wird es für viele zu einem lebensbedrohlichen Szenario, wenn sie auf Hilfe dringend angewiesen sind, aber keine Möglichkeit haben, zu kommunizieren. Manch einer hat vorgesorgt und sich ein lizenzfreies Funkgerät angeschafft. Doch die Reichweite bei CB-Funk oder PMR-Funk ist gering und es bedarf einer Gegenstelle, die den Notruf empfangen kann. Meshtastic und Meshcore könnten die Lösung sein.

Es gibt ein digitales Funknetz im 868-MHz-Band, das von jedermann ohne Lizenz mit einer Sendeleistung von maximal 500mW genutzt werden darf. Neben Garagentorsendern, Wetterstationen und Autoschlüsseln funken hier auch mittels LoRa-Protokollen gleich zwei unterschiedliche Systeme, die verschlüsselt Nachrichten versenden und empfangen können. Man könnte es am einfachsten mit einer SMS vergleichen. Länger bekannt ist das Meshtastic-Netzwerk. Jedes Endgerät (Node) kann Nachrichten senden und empfangen. Alle weiteren Nodes in Reichweite empfangen diese Nachricht und senden selbst an alle Nachbarn weiter. Dieser Vorgang wiederholt sich bis zu sieben Mal.

Eine Nachricht wird in kürzester Zeit gestreut. So lassen sich schnell etliche Kilometer Reichweite erzielen. Diese Technik eignet sich auch für Rettungen in entlegenen Waldgebieten oder dem Gebirge. Sind nur wenige Empfänger in der Nähe, ist das kein Problem. In einer Großstadt kann das das Funknetz zum Erliegen bringen. Das haben Programmierer aus England erkannt und Meshcore entwickelt. Es funktioniert mit der gleichen Hardware, ist aber intelligenter aufgebaut. Ein Endgerät (Companion) verbreitet, im Gegensatz zu Meshtastic, die Nachrichten der anderen nicht weiter. Das übernehmen sogenannte Repeater, die an strategisch ausgesuchten Orten platziert werden.

Sie empfangen die Nachrichten der Benutzer und senden sie zielgerichtet weiter. Damit das funktioniert, werden Zielgebiete in Regionen aufgeteilt. Die größte wäre ganz Deutschland (de), unterteilt in Bundesländer (z.B. de-bw, de-rp oder de-he), sowie rein lokale Gebiete, wie rhein-neckar. Diese Region muss bei einer ausgehenden, öffentlichen Nachricht vorab eingestellt sein. Die Repeater senden die Nachricht nun ebenfalls weiter, ignorieren sie aber, wenn sie die Region verlässt. Damit können Überlagerungen im Netz weitestgehend vermieden werden. Um das Netz nicht stärker zu belasten, als nötig, sollte daher immer eine kleine, lokale Region eingestellt werden. Im Gegensatz zu Meshtastic sind bei Meshcore auch rein private Nachrichten möglich.

Beide Netzwerke kommen nicht ohne zusätzliche Hardware aus. Im einfachsten Fall handelt es sich um eine kleine, kostengünstige Platine mit einer Antenne für unter 30 Euro. Nachdem man die passende Firmware in das Gerät geflasht hat, kann sie via Bluetooth mit dem Handy oder einem Computer verbunden werden. Zur Stromversorgung eignet sich eine Powerbank oder ein anschließbarer Akku. Wer keine Bastelerfahrung hat und lieber auf Fertiggeräte (ab 40 Euro) zurückgreifen möchte, wird ebenfalls fündig. Ab etwa 100 Euro bekommt man Handheldgeräte mit Tastatur, die ohne zusätzliches Smartphone auskommen.

Es gibt noch eine wichtige Einschränkung für beide Netzwerke. Der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass auf der Frequenz, die Meshtastic verwendet, jede angefangene Stunde nur maximal 36 Sekunden gesendet werden darf. Meshcore liegt in der Frequenz knapp darüber, verschafft sich dadurch aber einen Vorteil, denn hier darf bis zu 10% je Stunde gesendet werden. Für jeden Companion oder Repeater entfallen also 6 Minuten Sendezeit je Stunde. Das ist für kleine Textnachrichten enorm viel. Muss das Netz jedoch viele Nachrichten fluten oder weite Strecken zurücklegen, erreichen vor allem Repeater diese Grenze rasch. Eine Sperre stellt dann den Betrieb des Gerätes ein, bis die Stunde abgelaufen ist.

Die meisten Repeater befinden sich auf Hausdächern oder werden im Freien an möglichst hohen Stellen montiert. Sie werden von den zumeist privaten Betreibern so ausgestattet, dass sie mehrere Tage, oder im Idealfall nonstop autark arbeiten. Neben leistungsstarken Akkus kommen unterbrechungsfreie Stromversorgungen oder Solarzellen zum Einsatz. Mit Meshcore ist es theoretisch möglich, Nachrichten europaweit, also über die Landesgrenzen hinweg, zielgerichtet über Pfade zu versenden. Haben die Repeater noch keinen passenden Pfad ermitteln können, werden die Nachrichten jedoch ebenfalls geflutet. Der Grundgedanke bei Meshcore war und ist allerdings, lokale Netze zu betreiben, um im Ernstfall funktionsfähig zu bleiben. Link zu Meshtastic: https://meshtastic.org Link zu Meshcore: https://meshcore.io/

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