BMW Group Classic – wo Münchens Oldtimer zur Arbeit gehen
Der Standort ist kein Zufall. Auf dem rund 13.000 Quadratmeter großen Areal im Stadtteil Milbertshofen stand eine der ersten Produktionshallen des Unternehmens; BMW selbst spricht vom ersten Münchner Werk. Die denkmalgeschützte Halle behauptet sich mit ihren markanten Rundbogenfenstern erstaunlich gut neben den Glaskuben der Neubauten. 2016 zog die BMW Group Classic hierher und brachte zusammen, was vorher über die Stadt verstreut lag: Unternehmensarchiv, historische Fahrzeugsammlung, Werkstatt und Kundenzentrum samt Ersatzteilversorgung. Bis zur Konzernzentrale, zur BMW Welt und zum BMW Museum sind es von hier nur wenige hundert Meter zu Fuß. Näher lassen sich Geschichte und Gegenwart einer Marke kaum zusammenrücken. Wer den Torbogen durchschreitet, merkt sofort, dass hier gearbeitet und nicht nur ausgestellt wird.
Das Herzstück für Besucher ist die verglaste Werkstatt. Wer im Classic Café einen Espresso trinkt, schaut den Mechanikern dabei zu, wie sie an echten Kundenaufträgen arbeiten, nicht an Schauobjekten hinter Absperrband. Restauriert, gewartet und repariert wird hier praktisch alles, was das Haus je gebaut hat, vom Vorkriegsmodell über die Nachkriegslimousine bis zum Rennwagen, mit erklärtem Schwerpunkt auf Originalität. Für viele Klassikerbesitzer ist ein anderer Bereich fast noch wichtiger: die Ersatzteilversorgung mit nach Unternehmensangaben mehr als 55.000 Positionen, ergänzt durch ein Netz zertifizierter Classic Partner. Im Foyer steht ein schwarz-gelb beklebter MINI im Renntrimm neben einer restaurierten Tanksäule aus den Fünfzigern. Subtil ist anders, aber genau das passt zu einem Ort, an dem Geschichte kein Museum, sondern Tagesgeschäft ist.
Die Historische Sammlung umfasst rund 1.400 Fahrzeuge: Serienautomobile und Motorräder, Flug- und Bootsmotoren, Rennsport- und Konzeptfahrzeuge sowie die bekannte Art Car Collection. Vertreten sind neben BMW auch MINI, Rolls-Royce und Vorgängermarken wie Dixi und Glas. Ein Expertenteam entscheidet in regelmäßigen Abständen neu, welche Fahrzeuge die inzwischen mehr als hundertjährige Geschichte des Hauses repräsentieren dürfen. Frei zugänglich ist die Sammlung allerdings nicht. Wer sie sehen möchte, bucht eine Führung: rund sechzig Minuten Dauer, maximal zwanzig Personen pro Gruppe, wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Die Preise hängen vom gewählten Thema ab und werden bei der Buchung genannt. Gebucht wird über das Ticketsystem der BMW Welt. Wer nur einen Kaffee trinken und in die Werkstatt schauen möchte, kommt auch ohne Führung ans Ziel.
Am schönsten sind ohnehin die Details, die niemand inszeniert hat. Im Gang hängt eine alte Stechuhr im Holzgehäuse, die aussieht, als hätte sie hier schon Schichtwechsel gezählt, als Autos noch mit der Kurbel gestartet wurden. Draußen vor dem Eingang parkte an diesem Nachmittag ein britischer Roadster mit Froschaugen-Scheinwerfern, Münchner Kennzeichen, Rallye-Aufkleber am Kotflügel, und direkt dahinter ein fabrikneuer BMW aus dem aktuellen Programm. Dass der Konzern seine Geschichte nicht in ein anonymes Depot am Stadtrand schiebt, sondern an den Ort zurückholt, an dem sie begonnen hat, ist die eigentliche Pointe dieser Adresse. Man merkt es an der Selbstverständlichkeit, mit der hier geschraubt, archiviert und Espresso ausgeschenkt wird. Der Kaffee ist übrigens auch gut.


