Nürnberger Laubenmuseum: Zeitreise in die Kleingartengeschichte

Verfasst von: Stefan Siedler
Laubenmuseum Nürnberg
Laubenmuseum Nürnberg  Bild: Stefan Siedler
Wer wissen will, wie das Leben im Nürnberger Kleingarten vor hundert Jahren aussah, findet die Antwort in Langwasser. Im Laubenmuseum stehen sieben originale Gartenlauben aus den 1920er- und 1930er-Jahren, gerettet und originalgetreu eingerichtet. Deutschlandweit gibt es nur ein zweites Museum dieser Art, in Leipzig. Jedes Jahr ab Muttertag öffnet die Saison wieder ihre Türen.

Zwischen 1994 und 1997 rettete der Stadtverband Nürnberg der Kleingärtner sieben historische Gartenlauben vor dem Abriss. Die Häuschen stammten aus verschiedenen Kleingartenanlagen der Stadt und wurden originalgetreu in der Anlage Karwendelstraße wieder aufgebaut. Möbel, Werkzeuge und Alltagsgegenstände aus der jeweiligen Entstehungszeit zogen mit ein. Am 9. Mai 1998 öffnete das Museum offiziell seine Türen, die Festrede hielt Initiator Hans Eschbach. Seither hat es Besucher aus dem In- und Ausland angezogen, von Schulklassen bis zu internationalen Gästen. 2010 und 2011 wurden die Lauben in ihren historischen Farben neu gestrichen, 2018 folgten größere Sanierungsarbeiten.

(Bild: Stefan Siedler)

Innen wirken die Lauben, als hätten ihre Bewohner sie gerade erst verlassen. Emaillegeschirr steht im Regal, in der Ecke wärmt ein alter Kanonenofen, vor den Fenstern hängen handgenähte Gardinen. Genau diese Details machen den Rundgang besonders, hier zeigt sich gelebte Alltagsgeschichte und keine sterile Museumsvitrine. Dreimal hat das Laubenmuseum bereits ein rundes Jubiläum gefeiert: 2008 zum zehnjährigen, 2013 zum fünfzehnjährigen und 2018 zum zwanzigjährigen Bestehen, jeweils unter der Schirmherrschaft von Nürnberger Persönlichkeiten wie Oberbürgermeister Ulrich Maly und Kulturreferentin Julia Lehner. Zur Feier von 2008 pflanzte der Stadtverband einen Ginkgobaum in der Nähe des Museums und stellte eine Gedenktafel mit Artikel 24 der Menschenrechte auf, der das Recht auf Erholung, Freizeit und bezahlten Urlaub festschreibt. 2018 folgte ein zweiter Ginkgo direkt auf dem Museumsgelände, die Gedenktafel wanderte in den Eingangsbereich.

(Bild: Stefan Siedler)

Der Eintritt ins Laubenmuseum ist frei, eine kurze telefonische Anmeldung vorab jedoch empfehlenswert, auch für Besuche außerhalb der offiziellen Termine. Anmeldungen nehmen Frau Klingner und Frau Rössler entgegen, ebenso ist der Stadtverband per E-Mail erreichbar. Wer öffentlich anreist, nimmt die U1 bis zur Haltestelle Scharfreiterring und läuft von dort wenige Minuten. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg hat dafür einen eigenen Wandertipp aufgelegt: eine reizvolle Strecke von der Tullnau bis zum Museum mit mehreren Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Direkt gegenüber dem Museum liegt außerdem die Vereinskantine Karwendelstube, in der sich der Besuch vor oder nach dem Rundgang gemütlich ausklingen lässt. Wer den Nachmittag mit einem Spaziergang verbinden möchte, findet hier also gleich zwei gute Gründe für die Anfahrt zu Fuß.

(Bild: Stefan Siedler)

Das Laubenmuseum liegt mitten in der Kleingartenanlage Karwendelstraße im Nürnberger Stadtteil Langwasser, umgeben von blühenden Beeten und gepflegten Wegen. Wer die sieben Lauben besichtigen will, braucht keinen festen Wochentag im Kopf, sondern den Saisonkalender: Von Mai bis Oktober öffnet das Museum an ausgewählten Terminen im Zwei-Wochen-Rhythmus, jeweils zwischen 14 und 17 Uhr. Möglich ist das nur, weil sich Mitglieder des Stadtverbands Nürnberg der Kleingärtner ehrenamtlich engagieren. Sie führen Besucher durch die Häuschen, beantworten Fragen zur Geschichte und pflegen das ganze Jahr über die Anlage, ohne dafür entlohnt zu werden. Dieser freiwillige Einsatz trägt das Museum seit über 25 Jahren und macht den Besuch persönlich: Wer hier durch die Türen tritt, trifft auf Menschen, die aus echter Leidenschaft für die Kleingartenkultur erzählen.