BMW Art Cars: 50 Jahre Kunstgeschichte auf vier Rädern
Die Sammlung reicht zurück ins Jahr 1975. Der französische Rennfahrer und Auktionator Hervé Poulain wollte für die 24 Stunden von Le Mans kein gewöhnliches Auto, sondern ein Kunstwerk auf Rädern. Er gewann den Künstler Alexander Calder dafür, einen BMW 3.0 CSL mit dessen charakteristischen Farbflächen zu bemalen. Das Rennen endete nach sieben Stunden mit einem Antriebswellenschaden, die Idee dahinter hielt deutlich länger durch. In den folgenden fünf Jahrzehnten bemalten unter anderem Frank Stella, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Robert Rauschenberg, David Hockney, Jenny Holzer, Jeff Koons, Cao Fei und Julie Mehretu jeweils ein Fahrzeug. Warhol trug die Farbe 1979 in weniger als einer halben Stunde von Hand auf, statt sie wie seine Vorgänger am Modell zu planen. Genau diese Unterschiede machen den Rundgang aus: zwanzig sehr eigene Antworten auf dieselbe Aufgabe.
Die Eröffnung am 28. Juli war zugleich der Schlusspunkt der BMW Art Car World Tour, die die Fahrzeuge zuvor durch mehr als 30 Länder geführt hatte. Wer die Ausstellung besucht, sieht also eine Sammlung, die gerade erst von einer Weltreise zurückgekehrt ist, um sich an ihrem Ursprungsort noch einmal komplett zu versammeln. Vom 29. Juli bis 31. August 2026 sind im Auditorium der BMW Welt erstmals alle 20 Art Cars gleichzeitig zu sehen, kostenfrei, täglich von 9 bis 18 Uhr. Ein Höhepunkt liegt abseits der bunten Lackierungen: Olafur Eliassons „BMW H2R Project", eine Installation rund um einen Wasserstoff-Prototypen, wurde seit der Premiere 2007 erst drei Mal in voller Form gezeigt. Die Halle selbst, mit ihrer charakteristischen Doppelkegel-Architektur, liefert dazu die passende Kulisse.
Für Besucher, die mehr wollen als Betrachten, gibt es zusätzlich eine App-gestützte Schatzsuche durchs Gelände. Wer selbst hinfährt: Die BMW Welt liegt direkt am Olympiapark, der Eintritt zur Art-Car-Schau ist frei, ein bis zwei Stunden sollte man einplanen, allein um vor jedem der zwanzig Fahrzeuge kurz stehen zu bleiben. Die U-Bahn hält mit der Linie U3 am Olympiazentrum quasi vor der Tür, Parkplätze im Haus gibt es auch, sie sind an Wochenenden allerdings schnell belegt. Wer ohnehin in München unterwegs ist, verbindet den Besuch gut mit einem Abstecher ins BMW Museum oder in den Olympiapark, beides liegt wenige Gehminuten entfernt. Bis zum 31. August bleibt Zeit, die komplette Sammlung an einem einzigen Ort zu sehen. Danach werden die Fahrzeuge wieder verteilt.
Wer die Ausstellung mit einem Blick für Details besucht, erkennt schnell: Jedes der zwanzig Fahrzeuge erzählt seine eigene Geschichte, von Frank Stellas grafischen Rastern bis zu Jenny Holzers Textbotschaften auf Lack. Für Kunstinteressierte ebenso wie für Autofans lohnt sich der Umweg nach München in diesem Sommer gleich doppelt: als Museumsbesuch und als seltene Gelegenheit, fünf Jahrzehnte Design- und Kunstgeschichte an einem einzigen Nachmittag zu durchlaufen. Wer rechtzeitig plant, entgeht auch dem größten Ansturm der Ferienzeit. Ein Tipp aus der Praxis: Wochentage am späten Vormittag sind deutlich ruhiger als Wochenendnachmittage, und das Licht im Auditorium ist dann angenehmer für eigene Fotos. Ein Stativ braucht dabei niemand, ein ruhiges Händchen genügt völlig.


