Mazda Classic Frey Augsburg: 120 Fahrzeuge, ein Depot, viel Geschichte

Verfasst von: Stefan Siedler
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Mazda Logo  Bild: Stefan Siedler
Wer ein Mazda-Museum für eine nette Randnotiz der Automobilgeschichte hält, hat das Mazda Classic Automobil Museum Frey in Augsburg noch nicht besucht. In einer denkmalgeschützten ehemaligen Straßenbahn-Werkshalle untergebracht, zeigt es rund 120 Fahrzeuge aus der Geschichte der japanischen Marke und damit die weltweit umfangreichste Sammlung von Mazda-Serienfahrzeugen.

Das Autohaus Frey in Augsburg hat seit 1978 eine besondere Beziehung zu Mazda – seit jenem Jahr verkauft die Familie dort Fahrzeuge der japanischen Marke. Irgendwann hat Walter Frey, zusammen mit seinen Söhnen Joachim und Markus, aus dieser Händlertreue eine Sammlung gemacht, die längst einen eigenen Raum brauchte. Den hat sie gefunden: Das Mazda Classic Automobil Museum ist in einem ehemaligen Straßenbahndepot im Augsburger Stadtbezirk Rechts der Wertach untergebracht, einem Gebäude unter Denkmalschutz, das der Sammlung einen unerwarteten architektonischen Rahmen gibt. Eintritt kostet der Besuch, Parken auf dem Gelände nicht.

(Bild: Stefan Siedler)

Bis zu 50 Fahrzeuge stehen gleichzeitig in den Hallen, die Auswahl wechselt regelmäßig – ein Konzept, das den Besuch ein zweites Mal lohnenswert macht und die Sammlung lebendig hält. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt beim Kreiskolbenmotor, dem so genannten Wankelmotor: Felix Wankel hatte ihn in den 1950er Jahren entwickelt, aber es war Mazda, das ihn als einziger Automobilhersteller der Welt in Serienfahrzeuge einbaute und über Jahrzehnte im Alltagsbetrieb hielt. In allen anderen Ländern blieb der Wankelmotor Versuchsobjekt oder Sportgerät – bei Mazda fuhr er täglich. Diese Beziehung zwischen einer deutschen Erfindung und einem japanischen Hersteller ist eine der interessanteren Geschichten der Automobilwelt, und sie ist im Museum so aufbereitet, dass man sie auch ohne Technikkenntnisse versteht.

(Bild: Siedler Stefan)

Zu den Exponaten, die auf den ersten Blick Aufmerksamkeit auf sich ziehen, gehört der Mazda 323 GT-R 4WD. Mit 136 kW und 185 PS war er der stärkste Mazda 323, den es je gab – und gleichzeitig Homologationsfahrzeug für Rallye-Einsätze nach Gruppe N und Gruppe A. Die Produktionsstückzahl blieb deshalb limitiert: Für den deutschen Markt standen genau 500 Einheiten zur Verfügung, was die Nachfrage seinerzeit deutlich überstieg. Optisch machte der Allradler kaum auf sich aufmerksam; wer den mächtigen Frontspoiler und die zusätzlichen Lufteinlässe übersah, hielt ihn glatt für einen braven Kompakten. Das klassische Wolfsprinzip, konsequent umgesetzt. Eine Höchstgeschwindigkeit von 218 km/h und ein optionales Komfortpaket sorgten dafür, dass er im Alltag genauso funktionierte wie auf der Rallye-Schotterpiste – Baujahr 1992 bis 1993.

(Bild: Siedler Stefan)

Nicht minder bemerkenswert ist der Mazda Xedos 9 mit Miller-Zyklus-Motor. Den Namen Xedos erfand der Markenexperte Manfred Gotta als Kunstwort für Mazda – Luxus und Exklusivität in zwei Silben. Ab 1993 trat der Xedos 9 mit Sechs-Zylinder-Motoren in der oberen Klasse an, und er tat das mit erkennbarem Anspruch. Den technisch interessantesten Schritt machte Mazda 1995: Mit dem 2,3-Liter-V6 im Miller-Zyklus und einem Druckwellenlader erreichte der Motor eine bessere Effizienz und deutlich niedrigere Schadstoffwerte als konventionelle Antriebe gleicher Größe. Das Prinzip basiert auf länger geöffneten Einlassventilen, was den thermodynamischen Prozess im Zylinder gezielt verändert. Für die Mitte der neunziger Jahre war das außergewöhnlich weit gedacht – und es funktionierte im Alltagsbetrieb. Das Museum zeigt eines dieser Fahrzeuge, und die Erklärungstafeln tun dem Verständnis gut.

(Bild: Siedler Stefan)

Das Museum beschränkt sich nicht auf Fahrzeuge, es dokumentiert auch Aktionen, die über den normalen Messekalender hinausgingen. 2013 ließ Mazda acht neue Mazda3 besetzen – mit Journalisten, Bloggern und Fans als Testfahrern – und auf eine 15.000-Kilometer-Strecke von Hiroshima nach Frankfurt schicken. Dreißig Tage, fünf Länder, Ziel IAA. Unter teils schwierigen Bedingungen absolvierten die Fahrzeuge den Langstreckentest erfolgreich, und das Museum macht diese Geschichte sichtbar. Das Mazda Classic Automobil Museum Frey empfiehlt sich damit nicht nur für eingefleischte Mazda-Fans, sondern für alle, die Autogeschichte jenseits der üblichen Glanzlichter kennenlernen wollen. Eintritt ist kostenpflichtig. Öffnungszeiten und weitere Informationen gibt es unter mazda-classic-frey.de. Parken auf dem Museumsgelände ist kostenlos – was bei einem Ausflug in die Augsburger Innenstadt kein unwichtiges Detail ist.