Markgräfliche Residenz Ansbach – das barocke Juwel in Mittelfranken

Verfasst von: Stefan Siedler
frisch restauriertes Deckengemälde
frisch restauriertes Deckengemälde  Bild: Stefan Siedler
Wer durch die Türen der Markgräflichen Residenz in Ansbach tritt, betritt keine museale Rekonstruktion. Hier atmet das 18. Jahrhundert noch. Der Grund dafür liegt in einer politischen Entscheidung aus dem Jahr 1791: Der letzte Markgraf von Brandenburg-Ansbach, Karl Alexander, dankte ab und übergab sein Land an Preußen. Das Schloss verlor seine Funktion als Herrschersitz – und damit auch den Druck, modernisiert zu werden.

Es wurde nicht mehr als Residenz genutzt, das Interieur blieb nahezu unverändert. Ein Glücksfall für die Nachwelt. Die Residenz entwickelte sich aus einer mittelalterlichen Anlage. Ihr ältester sichtbarer Teil ist die Gotische Halle aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, erkennbar an ihrem Netzrippengewölbe. Zwischen 1705 und 1730 erfolgte der Umbau zu einer barocken Fürstenresidenz. Die qualitätsvolle Innenausstattung entstand überwiegend zwischen 1734 und 1745 unter der Leitung des Architekten Leopoldo Retti. Das Ergebnis: drei Raumfluchten im Hauptgeschoss, die das Appartement des Markgrafen, das der Markgräfin und das Gästeappartement beherbergten – getrennt voneinander, wie das höfische Zeremoniell es verlangte.

bedingt durch die Außenbaustelle
(Bild: Stefan Siedler)

Der Festsaal dominiert die Beletage. Carlo Carlone schuf das Deckenfresko, das den Raum optisch in die Höhe zieht und zu den bedeutendsten barocken Malereien Frankens zählt. Die jüngst abgeschlossene Restaurierung dieses zentralen Raumkunstwerks bildet den Anlass für die aktuelle Sonderausstellung „Wie der Himmel an die Decke kam. Der Festsaal der Residenz Ansbach", die vom 1. Juli bis 4. Oktober 2026 zu sehen ist. Sie spürt der Entstehung des Festsaals nach und zeigt Erkenntnisse aus dem Restaurierungsprojekt. Anfass-Stationen bringen die Besucher den Künstlern um Carlo und Diego Carlone nah und eröffnen neue Einblicke in die kunsthandwerklichen Schaffensprozesse. Die Ausstellung ist im Schlossführungsticket enthalten; wer nur die Ausstellung besuchen möchte, zahlt 3 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

Spiegelkabinett (Bild: Stefan Siedler)

Nebenan liegt das Spiegelkabinett. Hier reflektieren verspiegelte Wände das Licht auf Meißener Porzellan und verleihen dem Raum eine fast schwebende Leichtigkeit. Die Gemäldegalerie beherbergt Werke des Rokoko und Bilder aus der ehemals markgräflichen Sammlung – heute Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Eine Rarität, die Besucher selten woanders sehen: die präparierten markgräflichen Pferde aus dem 18. Jahrhundert. Die Tiere stehen in den Räumen und erinnern an die Bedeutung der Reitkunst am Hof. In der Gotischen Halle im Nordostflügel wechselt die Stimmung. Das mittelalterliche Gewölbe bildet den Kontrast zum barocken Prunk. Hier befindet sich die „Sammlung Ansbacher Keramik Adolf Bayer" – der größte Bestand an Fayencen und Porzellan aus der ehemaligen Ansbacher Manufaktur. Die Stücke zeigen, dass Ansbach nicht nur politisch und baulich Anspruch hatte, sondern auch handwerklich.

Audienzzimmer (Bild: Stefan Siedler)

Vor der Residenz liegt der Hofgarten. Die Orangerie, das repräsentative Parterre im französischen Stil, die Lindenalleen und der Leonhart-Fuchs-Garten mit Heilkräutern und Nutzpflanzen laden zum Verweilen ein. Der Garten ist öffentlich zugänglich und kostenlos. Die Residenz ist heute Sitz der Regierung von Mittelfranken und Teil der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Die Prunkräume sind im Rahmen von Führungen zu besichtigen, welche zu jeder vollen Stunde starten. Die Keramiksammlung in der Gotischen Halle auch individuell. Praktisch: Die Residenz Ansbach liegt an der Promenade 27 in 91522 Ansbach. Von April bis September ist sie täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr geöffnet, von Oktober bis März von 10 bis 16 Uhr. Geschlossen bleibt das Schloss am 1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember. Führungen durch die 27 Prunkräume finden stündlich statt und

(Bild: Stefan Siedler)

dauern etwa 50 Minuten. Die letzte Führung beginnt um 17 Uhr (Sommer) beziehungsweise 15 Uhr (Winter). Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr haben freien Eintritt. Gruppen ab 15 Personen zahlen 5 Euro pro Person. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich. Die Sonderausstellung „Wie der Himmel an die Decke kam" hat vom 1. Juli bis 30. September Öffnungszeiten von 13 bis 18 Uhr, vom 1. bis 4. Oktober von 13 bis 16 Uhr – täglich außer montags. Letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließung. Wer Franken bereist und barocke Schlosskultur hautnah erleben möchte, findet in Ansbach ein selten authentisches Beispiel. Kein nachgebauter Prunk, kein digitaler Zusatz – nur Räume, die seit über 230 Jahren so aussehen wie am Tag der Abdankung des letzten Markgrafen.