Frohnauer Hammer: Schwanzhämmer fallen und Gaststätte ist Pächterlos
Die Geschichte beginnt mit Silber. Am 28. Oktober 1491 wurde auf dem nahen Schreckenberg Silbererz entdeckt, und die Region wurde zum Bergbauzentrum. Was vorher eine mittelalterliche Getreidemühle war, wurde 1621 zum profitablen Hammerwerk umgebaut, denn der Bergbau brauchte Werkzeug. Bis 1904 entstanden viele Geräte für Bergbau und Landwirtschaft, dann rechnete sich der Betrieb nicht mehr. In der Industriegeschichte bedeutet das meist das Ende. Aber nicht in Annaberg-Buchholz. Hier war es der Anfang einer anderen Geschichte. Bereits 1907 erklärte die Amtshauptmannschaft Annaberg das Werk zum ersten technischen Denkmal Sachsens, 1908 kaufte der Hammerbund das Anwesen, 1910 öffnete das Museum. Seit 1925 fallen die Schwanzhämmer wieder. Ein Klang, den man nicht vergisst.
Das Herzstück ist die Maschinerie, und die ist nach 400 Jahren immer noch in Betrieb. Künstliche Mini-Kanäle, boerschlächtige Wasserräder treiben über ein gemeinsames Gefluder aus der Sehma die Schwanzhämmer an. Wasser treibt Rad, Rad treibt Welle, Welle hebt Hämmer, Hämmer fallen. Dasselbe Prinzip wie im 17. Jahrhundert, kein Frequenzumrichter, kein Hydrauliköl. Auch die Blasebälge laufen auf Wasserkraft. Im Untergeschoss führt ein Holzsteg zwischen Schieferstein-Gewölben direkt an die Räder heran, man riecht das feuchte Holz und hört das Wasser. In einem Nebengebäude stehen eine wasserradbetriebene Freihanddrehmaschine und eine Bohrspindel, die im 18. Jahrhundert als Hightech galten. Schauschmieden werden regelmäßig angeboten. Wer dabei zusieht, begreift in drei Minuten mehr über historisches Schmiedehandwerk als aus jedem Schulbuch.
Zum Ende der Museums-Tour bildet das Herrenhaus von 1697, Wohnsitz des damaligen Besitzers. Der Hammerherr lebte, direkt gesagt, wahrlich nicht schlecht. Das Gebäude gibt heute einprägende Einblicke in die bürgerliche Wohnkultur des Erzgebirges vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert, mit echten Möbeln und echten Räumen. Herzstück ist die Klöppelstube, in der eine Klöpplerin erzgebirgisches Spitzenklöppeln erklärt und vorführt und zum Selber-Klöppeln animiert. Das ist Präzisionsarbeit, die das Schmiedehandwerk im Erdgeschoss an Konzentration locker aufwiegt, nur viel viel leiser. Wer das bezweifelt, sollte beobachten, wie schnell dabei die Klöppel zwischen den Fingern wechseln. 2026 wird das Herrenhaus barrierefrei ausgebaut, damit UNESCO-Welterbe keine Exklusivveranstaltung für gut zu Fuß seiende Besucher bleibt.
Seit 2019 trägt die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří den UNESCO-Welterbe-Titel. Der Frohnauer Hammer ist einer der bedeutendsten Standorte. Den Status bekommt man nicht für Hinweisschilder, sondern für die authentische Überlieferung kulturgeschichtlicher Zeugnisse. Der Hammer erfüllt das im laufenden Betrieb. Dass ein Nebengebäude dabei aussieht wie jede andere Werkstatt, mit Kreissäge, Eimern und Werkzeug kreuz und quer, macht den Ort glaubwürdiger. Kein Disneyland, sondern ein Ort, an dem noch gearbeitet wird. Am UNESCO-Welterbetag, 7. Juni 2026, ist besonderes Programm. Parallel läuft eine Sonderausstellung über Franz Joseph Gerstner, Mathematiker und Eisenbahnpionier, bis 25. Oktober 2026. Geöffnet dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen, 9 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16 Uhr. Besichtigung nur mit Führung.
Direkt am Frohnauer Hammer befindet sich jedoch ein weißer Fleck. Es steht eine Gaststätte leer. Das ist eine eigentümliche Situation: UNESCO-Welterbe, bekannt als Drehort des ZDF-Erzgebirgskrimis, tausende Besucher im Jahr, und trotzdem kein Wirt. Die Traditionsgaststätte "Frohnauer Hammer" sucht einen Pächter. Die Stadt Annaberg-Buchholz vergibt das Objekt für mindestens zehn Jahre. Die Mindestpacht liegt bei 4.500 Euro netto monatlich, ergänzt durch eine Umsatzbeteiligung. Wer ein Gasthaus in einer Lage betreiben möchte, die kein Marketingbudget kaufen kann, und wer keine Angst vor einem Standort hat, an dem täglich Geschichte hämmert, findet Informationen bei der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz, Leiter Baubereich Christian Uhlig, Telefon 03733/425160, oder unter www.annaberg-buchholz.de/hammer-gastro. Es dürfte eine der ungewöhnlicheren Pachtausschreibungen im deutschen Gastgewerbe sein.


