LGS Ellwangen 2026 Nachhaltigkeit ab dem Eingang?

Verfasst von: Stefan Siedler
Bank zum Verweilen
Bank zum Verweilen  Bild: Natalia Siedler
Ellwangen feiert die Landesgartenschau 2026 unter dem Motto „Die Freude am Wandel“ – mit einer revitalisierten Jagst, neuen Parks und einem Programm, das vom Musikabend bis zur Schlossführung reicht. Liest man den Fortschrittsbericht, könnte man meinen, alles laufe reibungslos. Ein Besuch vor Ort bestätigt diesen Eindruck weitgehend. Nur in einem Bereich prallen die ökologischen Ambitionen deutlich auf die Realität.

Seit dem 24. April 2026 findet in Ellwangen an der Jagst die Landesgartenschau statt. Bis zum 4. Oktober ist sie an insgesamt 164 Tagen geöffnet. Auf 26 Hektar Fläche zwischen Ellwangen und dem Stadtteil Schrezheim wurde die Jagstaue neu gestaltet. Die Jagst wurde auf einer Länge von rund 600 Metern aufgeweitet und naturnäher gestaltet. Unter dem Motto „Die Freude am Wandel“ zeigt die Landesgartenschau, wie sich Stadtleben und Freizeit künftig verbinden lassen. Mit Stadtpark, Brückenpark und Auenpark entstanden drei neue Landschaftsräume. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt, alle anderen Besucher erwartet ein vielfältiges Programm. Mitte Juli gab die Landesregierung bekannt, dass die Besucherzahlen die Erwartungen übertroffen haben.

(Bild: Natalia Siedler)

Langeweile kommt auf der Landesgartenschau kaum auf. Täglich um 14 Uhr werden kostenlose Führungen durch das Rathaus angeboten. Hinzu kommen Führungen durch Schloss Ellwangen, den Felsenkeller und die Altstadt. Am 7. und 8. August sorgte ein Musikabend mit vier Künstlern, Live-Band und Chor für das Abendprogramm. Tagsüber wechseln sich Blumenausstellungen, Mitmachaktionen und Marktstände ab. Entscheidend ist jedoch, was nach der Landesgartenschau bleibt: Stadtpark, Brückenpark und Auenpark werden zu dauerhaften Grünflächen. Wasserbüffel, Pferde und Rinder sollen künftig Teile der Landschaft entlang der renaturierten Jagst pflegen. Rund 30 Millionen Euro Fördermittel flossen in die Entwicklung, hinzu kommen private Investitionen in einem Vielfachen dieser Summe. Für eine Stadt von der Größe Ellwangens ist das ein Projekt, dessen Wirkung weit über das Jahr der Landesgartenschau hinausreichen soll.

(Bild: Natalia Siedler)

Die Anreise zur Landesgartenschau ist gut organisiert. Autofahrer können für sechs Euro auf dem großen LGS-Parkplatz in Neunheim parken; der Shuttlebus zum Veranstaltungsgelände ist im Preis enthalten. Ab 8.30 Uhr fahren die Busse im Abstand von 10 bis 15 Minuten und sind barrierefrei. Auch Schloss Schönenberg wird angefahren. Tages- und Zweitagestickets der Landesgartenschau gelten zugleich als Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr in Baden-Württemberg. Das Deutschlandticket wird ebenfalls akzeptiert. Abends und am Wochenende ergänzt der StadtLandBus das Angebot. Der Bedarfsverkehr muss mindestens eine Stunde im Voraus gebucht werden. Zusätzlich bieten Weis-Reisen und Friedrich-Müller-Omnibusse regelmäßige Verbindungen nach Ellwangen an. Trotz der oft berechtigten Kritik an Verkehrskonzepten deutscher Großveranstaltungen hat sich hier offensichtlich jemand Gedanken gemacht – aber leider nicht zu Ende gedacht.

(Bild: Natalia Siedler)

Und plötzlich ändert sich das Bild auf dem Parkplatz in Neunheim: Reihen von Bussen warten auf Fahrgäste, während die Dieselmotoren minutenlang im Leerlauf weiterlaufen. Mitten auf einer Landesgartenschau, bei der Natur- und Klimaschutz eine zentrale Rolle spielen. Dass die Fahrzeuge aktuelle Abgasnormen erfüllen, ändert daran wenig. Ein moderner Dieselmotor wird im Stand nicht sauberer, nur weil er eine entsprechende Abgasnorm erfüllt. Besonders erstaunlich ist, dass für diese kurze, regelmäßig bediente Shuttleverbindung offenbar keine elektrische Lösung vorgesehen wurde, wie sie andernorts längst zum Alltag gehört. Im Jahr 2026 wirkt das anachronistisch und passt kaum zu einem ansonsten gut durchdachten Konzept, das die ökologische Aufwertung der Stadt in den Mittelpunkt stellt. Den Motor während der Wartezeit abzustellen, wäre dagegen denkbar einfach. Das Umdrehen des Zündschlüssels kostet den Fahrer zwei Sekunden.

(Bild: Natalia Siedler)

Die LGS in Ellwangen bleibt dennoch ein lohnendes Ziel: gut gestaltete Wege, Flächen mit echtem Mehrwert über das Jahr 2026 hinaus und ein Verkehrskonzept, das in weiten Teilen als Vorbild für andere Großveranstaltungen dienen kann. Laut Veranstalter haben die heißen Sommerwochen Besucherzahlen und Einnahmen deutlich beeinträchtigt. Dennoch zeigt die Gartenschau eindrucksvoll, wie stark Ellwangen langfristig von der Neugestaltung der Jagstaue und den dauerhaft geschaffenen Grünflächen profitieren kann. An der Kritik auf dem Parkplatz in Neunheim ändert das nichts. Die dort im Leerlauf laufenden Dieselmotoren fallen gerade deshalb auf, weil sie vermeidbar sind und nicht zur ansonsten sorgfältigen Planung passen. Manchmal liegen Anspruch und Wirklichkeit nur eine Drehung des Zündschlüssels auseinander.