connectivity

Verfasst von: Marion Wolters
Die ungewohnte Dauerbetextung verstummt, kaum dass die asymmetrischen Sprachhorizonte aufgefallen sind. Die gut getarnte mangelhafte Konnektivität innerhalb der grösseren Gruppe wird durch das Eisberg Modell enttarnt. Die aggro-renitente Stimmung ändert sich, doch Euphorie sieht anders aus. Wer sich verstanden fühlt, äußert dies, bleibt durch ausweichende Antworten auf weitere Fragen des Gegenübers jedoch für sich. Verhaltene Konnektivität innerhalb der größeren Gruppe, die sich nur in ihren Splittergruppen und Parallelwelten anders darstellt.

Der gerade gelesene Absatz lädt nur die dafür bestimmte Lesergruppe ein. Bei anderen, die ihn gelesen haben, hinterließen Komplexität der Sprache und Themen Unverständnis und Frust. Damit dies nicht geschieht, bekommt man als Sprachmittlerin beispielsweise den Auftrag, das Sprachniveau an die Zielgruppe anzugleichen, um die Thematik verständlich zu machen. Beispielsweise einen Text umzuschreiben, der für Akademiker verfasst wurde und Handwerker aus aller Welt mit einem mittleren deutschen Sprachniveau erreichen soll. Wie sieht nicht zuletzt auch die jüngere Geschichte der Herkunftsländer dieser Menschen aus und wie wurde und wird Politik gestaltet?

Sieht deren Ausgestaltung in der Außendarstellung wesentlich anders aus als die Veröffentlichungen der Innenpolitik? Wie werden kulturelle Inhalte innerhalb der verschiedenen sozialen Schichten transportiert? Wer wird damit erreicht bzw. wer wird nicht angesprochen? All diese Recherchen sind notwendig, damit ausgedrückt wird, was auszudrücken ist. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Zielgruppe den Text aus ihrer "Brunnenfroschsicht" versteht, wie es der daoistisch geprägte Philosoph Zhuangzi sagen würde. Wie werden Begriffe wie beispielsweise "Klassenkampf" oder "Rock-and-Roll" gedeutet? Wie passen sie in die aktuell vorherrschende politische Ideologie?

Wie werden diese Kriterien im Land des Auftraggebers gelebt und angesehen? Damit man die sprachliche Brücke als Dialogmedium so bauen kann, dass beide Seiten, in den meisten Fällen "digitale Somewheres", über sie gehen und sich auf ihr treffen können, wenn die technische Konnektivität gegeben ist. Dazu sind vermeintliche Ähnlichkeiten und Begriffe von beiden Seiten genau zu definieren. Statt Namen schriftlich wie mündlich der Landessprache anzugleichen, kann man sie beispielsweise einfach richtig aussprechen. Es gibt gute Apps dafür. Somit wird vermieden, dass man eine Person nicht nur als Individuum nicht wirklich sieht, sondern auch die Übersetzung des Namens in eine andere Sprache unmöglich gemacht wird.

Wer sich sprachlich begegnet, bekommt einen Einblick in eigene und fremde Unzulänglichkeiten und Alternativen. Die jeweils in dem Land dominierende Politik und Kultur erhalten somit eine Chance, sich an- oder auszugleichen. Jenseits der geltenden Systeme, in denen sich Individuen befinden, kann somit die Realität entstehen, die Persönlichkeiten inspiriert, bereichert, vielleicht sogar transformiert. Soweit ein erster Einblick in die beiden Bücher, "Communicate EinFach" und "trash texts", die inhaltlich und grafisch von der Autorin dieses Artikels gestaltet wurden. Sie werden im Januar 2024 erscheinen. Mit Texten in neun Sprachen: connectivity!

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