Glamouröse Hommage an Thomas Mann im Schlosspark Theater
Seinen ersten öffentlichen Auftritt hat er bei einer von seinem Vater und dem Kapellmeister heimlich arrangierten Komödie. Bei einem Kurkonzert ahmte er während eines ungarischen Tanzspiels mit einer tonlosen Violine den ersten Violinisten getreu nach. Daraufhin wird er von den Badegästen als Wunderkind gefeiert. Sein Lehrmeister ist der Pate Schimmelpreester, ein Kunstmaler, den die Leute im Städtchen lächelnd Herrn Professor nennen. Glaubhaft steht Felix ihm in unterschiedlichsten Kostümierungen, auch nackt, Modell für seine Gemälde. Sein Vater, der Champagner-Fabrikant des „prickelnden Goldsaft, der so manchen Herzschlag beleben, so manches Augenpaar zu höheren Glanze erwecken soll“(Thomas Mann)verfügt über enormen Einfallsreichtum.
In der Villa Kroll werden oft ausschweifende Feste gefeiert. Der Champagner-Fabrikant Engelbert Krull achtet darauf, dass die Flaschen kunstvoll-elegant etikettiert sind, um über die eigentliche Qualität seines Schaumweines hinwegzutäuschen. Als er bankrott ist, erschießt er sich, und seine Familie steht finanziell am Abgrund. Pate Schimmelpreester entwickelt daraufhin für die Familienmitglieder einen weiterführenden Lebensplan- ihren Fähigkeiten und Wünschen entsprechend. Felix, der die Schule ohne Abschluss verlassen hat, glaubt, dass er als Liebhaber über außerordentliche Begabungen verfügt. Er begleitet seine Mutter nach Frankfurt. wo diese eine Pension eröffnet. Er erforscht die obere Gesellschaftsschicht der mondänen Großstadt. Auf seinen Erkundungstouren erregt er das erotische Interesse von Frauen und Männern gleichermaßen. In einem Freudenhaus verfeinert er seine Liebespraktiken und geht eine Beziehung mit der Prostituierten Rosza ein, die ihn an ihren Einnahmen beteiligt.
Auf Anregung seines Paten reist Felix nach Paris, um im Luxushotel „Saint James and Albany“ angestellt zu werden. Bei der Zollkontrolle schmuggelt er das Schmuckkästchen einer reichen Madame in seinem Koffer. Er ahnt nicht, dass Madame Houpflè Stammgast in dem Luxushotel ist und er ihr Liebhaber werden würde. Zunächst unter dem Namen Armand als Liftboy angestellt, steigt er zum Oberkellner auf. Charismatisch bezaubert er die Hotelgäste. Im Liebesspiel nicht unerfahren, nimmt er erotische Avancen mit Vergnügen an. Madame Houpflè animiert ihn, die Erotik reizvoll zu gestalten, als Hermes, „Gott der Diebe,“ während des Liebesspiels herumzuschleichen, sie zu demütigen und ihr Schmuck und Geldscheine zu stehlen. Von dem Erlös des Schmucks leistet er sich zeitweilig einen luxuriösen Lebensstil. Es gelingt ihm, sein Leben am Rande der Gesellschaft salonfähig zu machen.
Trotz aller Verlockungen versteht Armand es, feinsinnig emotionale Grenzen zu ziehen. Als ihm der homosexuelle Lord Kilmarnock das Angebot macht, ihn in seinem Schloss in Schottland als Kammerdiener fürstlich zu bezahlen oder zu adoptieren, lehnt er es mit einfühlsamen Worten ab. Er zieht es vor, sich weiterhin seiner Freiheit zu erfreuen. Sein Lebensweg wandelt sich, als er der Bitte des Marquis de Venosta nachkommt, mit ihm die Identität zu tauschen. Der Marquis tritt eine angekündigte Weltreise nicht an, um bei seiner Geliebten, der Sängerin Zaza, in Paris zu bleiben. Als sich Krull auf der Weltreise in Zouzou, die Tochter eines Professors für Paläontologie verliebt, kapituliert er vor seiner Schauspielkunst. Stattdessen sucht er die Liebe, samt ihren unlogischen und unerklärlichen Begleiterscheinungen zu verteidigen. Im Verlauf der Geschichte verschmilzt er zunehmend mit der Persönlichkeit eines Marquis.
Die Entstehungsgeschichte des Hochstapler-Romans wurde inspiriert durch Goethes Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“, sowie den Memoiren des Betrügers und Hochstaplers Georges Manolescu. Die Bücher des deutschen Nobelpreisträgers Thomas Mann für Literatur, hinterfragen tradierte Rollenbilder in dem Spiel mit gesellschaftlichen Konventionen. In seinen Jugend-Briefen und Tagebüchern tauchen homosexuelle Phantasien und Gefühle auf. Als er sich 1904 in Katharina „Katia“ Pringsheim, - die Enkelin der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm- verliebt und sie heiraten, entscheidet er sich für ein bürgerliches Leben. Homoerotische Gedanken finden ihren literarischen Niederschlag in seiner berühmten Novelle „Tod in Venedig“ sowie dem literarischen Klassiker „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull.“ Thomas Mann schrieb die fiktive Autobiographie mit der er sich jahrzehntelang befasst hat, bewusst nicht zu Ende. „Welch eine herrliche Gabe ist nicht die Phantasie, und welchen Genuß mag sie zu gewähren! (Thomas Mann).


