Wie man Zeitlosigkeit erreicht

Verfasst von: Marion Wolters
Waren Sie kürzlich zum Christmas Shopping in New York? Dann haben sie vielleicht die dynamische Fassade des neuen Nike Flaghip Stores in New York gesehen, die eingeschnittene und gebrochene Isolierglaseinheiten aufweist. Faszinierend? Oder waren Sie auf der glasstec, der weltgrößten Glasmesse in Düsseldorf und haben das auf den Kopf gedrehte Auto gesehen, das nur an zwei sehr dünnen Glasscheiben hing?

Die optisch offensichtliche Brillianz von Glas ist nur ein Aspekt dieses uralten Materials, das es bereits 5000 vor Christus in Mesopotamien gab. Siehe dazu auch den geschichtlichen Abriss im Buch "Sunlight point" der Autorin dieses Artikels oder verschiedene Herstellungsverfahren in "Tiaré? Entrez!". Kombiniert mit modernen Technologien wurden neue Funktionalitäten für Glas ins Leben gerufen. Man denke beispielsweise an die solare Energiegewinnung bei gleichzeitigem Sichtschutz. Oder an das seit wenigen Jahren verfügbare Glasherstellungsverfahren per 3D Druck. Wie dies funktioniert wird schon im nächsten Abschnitt kurz erklärt.

Bei dem hier exemplarisch dargestellten Glasherstellungsverfahren handelt es sich um das als G3DP bezeichnete, von Forschern am Massachusetts Institute of Technology (MIT) für einen 3D Drucker entwickelte Verfahren. Dazu wird zunächst in einem Schmelztiegel auf über 1000 Grad erhitztes Glas in eine Keramikkammer gegeben, das dann mittels einer beheizten Düse in eine zweite Keramikkammer läuft. In letzterer mit einer Temperatur von über 550 Grad Celsius ist die Druckplattform integriert, mit der die Glasprodukte geschaffen werden. Nachdem sie bei Raumtemperatur abgekühlt sind, können sie manuell nachbearbeitet werden.

Eine interessante Entwicklung sind "Smarte Gläser". Dabei werden auf der inneren Scheibenoberfläche Leuchtdioden montiert, die kabellos durch zweiseitige am Rand verlaufende Kontaktstreifen mit Strom versorgt werden. Der geringe Stromverbrauch und die effiziente Lichtverteilung machen sie neben der geringen Wärmeerzeugung attraktiv. Die angebrachte Gleichspannung lenkt den Lichtdurchlass des Glases, während Elektro- und thermochrome Stoffe den Energiedurchlass mittels Temperaturanpassung leiten. Für unterschiedliche Transparenzgrade bieten sich "Light Christal Beschichtungen" an, die man auf der Innenseite der Scheiben anbringen kann, um sie dann entsprechend zu steuern. Der bereits indirekt angesprochene Umweltgedanke wird nachfolgend weiter erörtert werden.

Glas und Umwelt? Da kommt der Gedanke an recyclebarem Glas auf. Der landläufigen Meinung zufolge ist Glas zu 100% recyclebar. Dies trifft für viele Glasgegenstände des alltäglichen Gebrauches nicht zu, was u.a. mit den unterschiedlichen Glasrezepturen zusammenhängt. Wer sich für Glas in unzähligen Varianten, unterschiedlichen Sichtweisen und Techniken interessiert, ist im multifunktionalen Shanghai Museum of Glass bestens aufgehoben. Passenderweise befindet es sich auf dem ehemaligen Gelände einer Glasfabrik. Aktuelle und zukünftige Glasinnovationen stellt auch das neue, bilinguale (deutsch/englisch) Buch der Autorin dieses Artikels "fougère, verre…" vor. https://www.brainguide.de/Marion-Wolters#publikationen

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