Das phytagoreische Komma oder was ist Ihr Her(t)zton?

Verfasst von: Marion Wolters
"Wer das Geheimnis der Töne kennt, kennt das Mysterium der ganzen Welt", sagte Hazrath Innayat Khan. Physikalisch ausgedrückt besteht Musik aus Schallwellen. Deren Anzahl wird pro Sekunde in Hertz gemessen. Diese Masseinheit wurde nach dessen Entdecker, dem deutschen Physiker Heinrich Hertz, benannt. Doch was hat das mit Ihrem persönlichen Her(t)zton zu tun und wie können Sie herausfinden wo er liegt?

Phythagoras gilt als der Begründer der mathematischen Analyse der Musik. Er fand heraus, dass eine Oktave zwölf Töne umfasst. Wenn man ein Klavier stimmt, stellt man fest, dass die Frequenzen eines Tons und der dazugehörigen Quinte, die immer genau im Verhältnis 2:3 stehen, eine Lücke bis zum letzten Ton der Oktave entstehen lassen. Diese Tondifferenz nennt man auch das "phytagoreische Komma". Sie wird über die ganze Oktave verteilt und klingt dann harmonisch. Pythagoras Schüler Aristoxenos legte die Grundlagen der heutigen abendländischen Musik. Dazu gehört auch die Kombination der Frequenzen.

Dadurch entstehen auf Halbtönen basierende Tonarten wie Dur und Moll, die den Hörgewohnheiten der abendländischen Hörer vertraut sind. Im Orient werden die Halbtöne in Vierteltöne differenziert, weshalb sie dem Europäer unstimmig erscheinen. Unstimmig erscheint so manchem auch der heute gängige Kammerton von 440 Hertz. Der Kammerton ist der Ton, auf den Instrumente z.B. in einem Orchester eingestimmt werden, damit sie harmonisch miteinander musizieren. Früher fanden sie oft in königlichen Gemächern statt, in den Kammern, woraus sich der Name ergibt. Dieser Kammerton entsprach früher 432 Hertz.

Der Physiker Winfried Otto Schumann wies als Grundfrequenz der Erde 8 Hertz nach. Wenn man diese für das menschliche Ohr hörbar macht, liegt sie bei 432 Hertz. Der Schweizer Musikwissenschaftler Hans Cousto fand dies ebenfalls heraus. Er leitete die "Planetentöne" aus deren Rotations- und Umweltperiodenzeiten ab. Das cortische Organ im Innenohr schwingt auf 432 Hertz. Ist es viel Arbeit für unser Ohr, sich anders frequentierte Kammertöne "zurechtzuhören" oder ist es eine Frage der Gewohnheit? Lag der Kammerton früherer Zeiten immer bei 432 Hertz und warum hat man sich auf 440 Hertz geeinigt?

Im 17. und 18. Jahrhundert lag er in Deutschland bei 415, in Italien bei 466 Hertz. Das Musikleben wurde im Laufe der Zeit zunehmend internationaler. Stimmen nach einer einheitlichen Stimmtonhöhe wurden laut. 1939 einigte man sich auf der Londoner internationalen Stimmtonkonferenz auf 440 Hertz. Dies ist ein Richtwert, der z.B. für Orchester mit Saiteninstrumenten nur bedingt gilt. Sie werden meistens auf 443 Hertz eingestimmt, da sie dann lauter und voller klingen. Je nach Tagesform, Hörgewohnheiten etc. sind Menschen mit absolutem Gehör auf unterschiedliche Kammertöne eingestellt. Für wieviel Hertz schlägt Ihr Herz natürlicherweise? Machen Sie den Test mit den entsprechenden Youtube-Videos und lesen Sie ein Buch auf Ihrer Herzfrequenz https://www.brainguide.de/Marion-Wolters#publikationen