Metaverse und die philosophischen Grundlagen des Silicon Valley

Verfasst von: Marion Wolters
Errichte ein Universum der Superlative, indem die binären Mann-Frau-Strukturen nicht mehr existieren. Kreiere eine weibliche Kunstfigur mit dem männlichen Vornamen Bleuciel: https://www.amazon.de/Bleuciel-Sagesse-Marion-Wolters/dp/3752649003 Tauche ein in eine fluide Welt, in der die Persönlichkeit wichtiger ist als äußere Merkmale. Schreibe einen Artikel als Manifest für alles Unsagbare. Interpoliere und halte inne in einer Andersartigkeit, die ihresgleichen sucht und den Anarchronismus der Jetztzeit anarchisch überschreitet. - Soweit eine angedeutete Vorstellung des Metaverse in der Sprache einer (fast) untergegangenen politischen Kultur, deren Begrifflichkeiten und importierte Debatten allgemein nicht mehr bekannt sind.

Besser man wählt die Worte so, dass sie im Hintergrund bleiben und der Inhalt im Vordergrund steht. Eine Sprache, die dem Inhalt nicht nur dient, sondern ihn hervorhebt: Das Metaverse wird als Internetnachfolger gehandelt. Als eine Möglichkeit, in der in einer simulierten Welt mittels Virtual Reality Brille, Headset, Computer und individuellem Avatar (einer virtuellen Kopie der Agierenden) gearbeitet und gelebt werden kann. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen, damit der eigene Avatar und die Freundes-Avatare zusammen ins Kino gehen, Konzerte besuchen oder Kleidung kaufen können, die in der realen Welt mit realem Geld bezahlt werden. Man kann Grundstücke neben Prominenten kaufen und sie später mit Gewinn verkaufen oder sich hoch verschulden.

Die Technikgläubigkeit des Silikon Valley basiert auf den philosophischen Grundlagen der Longtermisten. Longtermism oder Langzeitismus wird von Philosophen, die an den Eliteuniversitäten Cambridge und Oxford arbeiten, argumentativ verbreitet. Dabei wird ein pessimistisches Zukunftsbild nicht nur für die nächsten Jahrzehnte, sondern für die nächsten Jahrhunderte/die nächsten Jahrtausende gezeichnet. Der Weltuntergang wird jederzeit als reale Möglichkeit angenommen und es werden Szenarien entworfen, wie und wo die Menschheit überleben kann. Die Besiedlung anderer Planeten ist dabei eine favorisierte Möglichkeit. Neben Asteroideinschlägen zählt KI zu den Risiken, vor denen Langtermisten warnen.

Die Langtermisten beziehen sich auf den Utilitarismus nach Jeremy Bentham, dem hedonistischen Prinzip des Strebens nach Lust und der Vermeidung von Leid: das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl an Individuen. Quantität ist in diesem Zusammenhang wichtiger als Qualität. Langtermisten überlegen, ob man Geld in die Asteroidenabwehr investieren sollte, um die Menschheit zu retten oder ob es sinnvoller ist, das Geld in die Entwicklungshilfe zu stecken. Ihren statistischen Berechnungen zufolge ist es in die Asteroidenforschung zu stecken, da eine größere Anzahl von Menschen gerettet werden würde. Ist Technik als neutrales Werkzeug anzusehen angesichts des dadurch verursachten Leids? Verdankt man den Langtermisten in einer fernen Zukunft die Rettung der Menschheit?

Zurück zum Metaverse, das umfassendere Möglichkeiten anbieten wird als die virtuelle Realität, die es schon mehr als zehn Jahre gibt. Genug Zeit, um sie in ihren zahlreichen Varianten selbst auszuprobieren. Sich von ihr überzeugen zu lassen oder auch nicht. Einen physischen Raum zu durchschreiten, während man im virtuellen Raum Avataren begegnet. Mit Freunden in einem physischen Raum VR-Brillen aufzusetzen und zusammen ein Möbelstück in der Realität zusammenzubauen. Wobei die VR-Brillen so programmiert sind, dass man selbst nicht seinen eigenen physischen Raum wahrnimmt, sondern den Raum eines Mitspielenden, dessen Namen man vorher genannt bekommt und sich verbal abstimmen muss, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Welche Welt(en) werden Sie bewohnen?