Washington formiert neue Truppen im Irak!

Verfasst von: Martin Podlasly
Apache Logbow Al Asad Airbase
Apache Logbow Al Asad Airbase  Bild: SSGT SUZANNE M. JENKINS, USAF, CC BY-SA 3.0, gemeinfrei, zur freien Verwendung
Es gilt zwar nicht als offiziell bestätigt, aber die USA suchen nach Möglichkeiten ihre Truppenpräsenz im Irak wieder deutlich aufzustocken. Nachdem Ende des Jahres 2011 der reguläre Truppenabzug der US-Streitkräfte aus dem Irak erfolgte und der amtierende US-Präsident Donald Trump bei einem Irakbesuch im Dezember des letzten Jahres erklärte, dass die USA sich nicht mehr ausnutzen lassen werden, um weltpolizeiliche Aufgaben zu übernehmen, sind nun deutlich andere Signale zu vernehmen.

Innerhalb der letzten Monate haben die Vereinigten Staaten kontinuierlich damit begonnen ihr militärisches Kontingent im Irak zu verstärken. Truppenverbände aus Syrien und neue Einheiten wurden hierbei zusammengezogen. In der Kernaussage aus dem US-Verteidigungsministerium hieß es hierzu zunächst, dass die Soldaten für den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ benötigt würden. Doch nach dem Ausschalten der letzten Bastion des IS wird seitens der US-Regierung das Verstärken und die Präsenz der Militärkräfte damit begründet, man wolle unbedingt verhindern, dass sich die Terrormiliz in der Region wieder neu formiert und zu alter Stärke zurückfindet. Der wahre Grund für die erhöhte Truppenverstärkung der US-Streitkräfte im Irak ist sicherlich auch ein anderer.

Westlich des Euphrat und in Erbil

Der nicht gerade medienscheue und twitterfreudige US-Präsident Donald Trump höchstpersönlich bestätigte vor wenigen Wochen das eigentliche Ziel der USA in der Region. Trump gab deutlich zu verstehen, es sei von großer Wichtigkeit den Iran im Auge zu behalten. Die USA müssen eine gewichtige Militärkraft vor Ort belassen, um eingreifen zu können, falls sich Schwierigkeiten ergeben, so der US-Präsident. Man könne nicht nur tatenlos zusehen, wie der Iran eine führende Rolle in dem Gebiet einnehme und dazu noch den Ausbau des Atomwaffenprogramms anstrebe. Als Hauptsammelpunkt für alle US-Streitkräfte nannte Trump die Al-Asad Airbase westlich von Bagdad an den Ufern des Euphrat und die nordirakische Stadt Erbil.

Um die Zielsetzungen der Vereinigten Staaten zu legitimieren, sind innerhalb der NATO entsprechende Verhandlungen eingeleitet worden, die sich auch mit den Planungsvorbereitungen zu neu definierten Missionen des Verteidigungsbündnisses befassen. Diese als strategische Präventionseinsätze für den Irak deklarierten Einsatzmaßnahmen sehen die Stationierung von Zehntausenden Soldaten vor. Zeitgleich debattiert seitdem das irakische Parlament. Es gibt eine Reihe von Fraktionen und Stimmen bei den im Irak politisch Verantwortlichen, die ausdrücklich gegen eine erneute Militarisierung des Iraks durch die USA sind. Diese Kräfte, darunter im Besonderen die Allianzen der schiitischen Milizen, der Fatah, das Bündnis as-Sadr und Flügel des ehemaligen Premierministers al-Maliki plädieren für einen Gesetzesentwurf, welcher einen Rückzug aller US-Truppen vorsieht.

Politisches Säbelrasseln

Die schiitische Mehrheit innerhalb des Iraks ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Die Milizen der PMU und deren politische Vertreter sind vergleichbar mit ihrem Pendant im iranischen Nachbarland, den Revolutionsgarden. So wächst der Einfluss des Iran weiter und damit die Strategie, jegliche US-Politik im Irak zu unterwandern. Sinn und Zweck dieses Vorhabens wurde mit dem durchaus als historisch zu bezeichnenden Besuch des iranischen Präsidenten Rohani im Irak sichtbar. Die USA reagierten umgehend und weiteten die Sanktionen direkt auf alle Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden aus. Die irakische Gruppierung der Al-Nuajaba, die ebenfalls gegen eine weitere US-Militärpräsenz im Land votiert, rief im März sogar zu einer „Achse des Widerstandes“ auf.

Die Wurzeln des Islamischen Staates im Irak sind noch nicht ausgemerzt. Die erprobten Kampfverbände kehren zurück zu ursprünglicher Guerillataktik und gezielten Anschlägen. Die USA werden weitere Truppen im Land stationieren, ob es der politischen Führung oder der Opposition im Irak passt oder auch nicht. Der gerade wieder gewählte israelische Präsident Benjamin Netanyahu erhielt vom US-Präsidenten jüngst einen Freibrief. Nicht nur zur endgültigen Annexion besetzter Gebiete und dem Abrücken einer Zweistaatenlösung mit den Palästinensern, sondern auch für weitere Militär- und Luftschläge gegen pro-iranische Kräfte im Libanon sowie in Syrien. Das politische und militärische Säbelrasseln in der gesamten Region bringt das Pulverfass weiter zum Brodeln.

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