Politiker - Doppel/Moral

Verfasst von: DTKfrau Gabriele Maria Perklitsch
Politiker und ihre Doppelmoral
Politiker und ihre Doppelmoral  Bild: Gabriele Maria Perklitsch
In der allgemeinen Öffentlichkeit wird Politik als schmutziges Geschäft gewertet. Rund um die Ibiza-Affäre um Heinz-Christian Strache ranken nun noch mehr Theorien der schmutzigen Hände im privaten und politischen Alltag von Politikern. Die Geschehnisse führen zur politischen Lähmung und starken Vertrauensverlust in die Politik allgemein. Wie viel Doppel-Moral steckt im politischen Alltag von Politikern noch, fragen sich die aufgebrachten BürgerInnen zunehmend, nach all den politischen Skandalen und Affären?

Eines steht fest: In der Politik geht es viel mehr als anderswo um Macht, Machtkämpfe, Machterhalt, Konkurrenzkampf, Geld und Status. Deshalb sind die Akteure in diesem System auch viel anfälliger für unethisches Verhalten und Machtmissbrauch. Machtmissbrauchsmöglichkeiten sind hier viel größer ausgeprägt. Dabei geht es nicht vorrangig um die moralischen Maßstäbe des privaten Verhaltens und des Moralverständnisses des Politikers. Ein Politiker muss also kein Heiliger sein und die Öffentlichkeit keine Moralapostel darstellen. Jedoch ist jedem klar, dass die politische Praxis viel anfälliger ist für unethisches Verhalten als anderswo. Hier sollten deswegen auch höhere moralische Ansprüche in der politischen Praxis gelten. Die Normen und Werte der gesamten Rechtsordnung müssen respektiert werden.

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin erklärte in einem Interview, dass bei Berufspolitikern, die bereits länger im Geschäft seien, eine Art psychische Abhängigkeit zu beobachten sei. Er erklärte, dass dies ähnliche wäre wie bei Alkoholikern, die nach Alkohol süchtig seien. So seien Berufspolitiker oft Macht und Anerkennungs süchtig. Wer hier gefährdet ist, benötigt eine hohe Charakterstärke, hohes Verantwortungsbewusstsein und hohe Orientierung am Gemeinwohl. Die vielen aufgedeckten politischen Skandale über eigennützige und korrupte Politiker, überzogene Boni, Postenschacher, maßlose Beraterverträge, Ausschweifungen aller Art und lobbyisitsche Verflechtungen bis hin zu Spionagetätigkeiten, zeugen von menschlicher Niedertracht im Zusammenhang mit Machtmissbrauch. In der Politik nichts Neues.

Macht bringt Menschen dazu, sich eher so zu verhalten, wie sie sich entsprechend ihrer inneren Vorstellungen und Eigenschaften verhalten wollen, sagt Wisse über ihre Studie im Journal of Personnel Psychology von 2012. Gib einem Menschen macht, so zeigt sich sein wahrer Charakter, ist wohl ein wahrer Ausspruch! Insbesondere Macht, die nicht gegenüber anderen Menschen gerechtfertigt werden muss, wird leicht missbraucht. So z.B. Macht in Form von Geld oder Entscheidungsfreiheit, erklärt der Psychologe Joris Lammers von der niederländischen Universität Tilburg. Deshalb braucht Macht Legitimation. Viele Experimente weisen darauf hin, dass Menschen, denen man verschiedene Machtbefugnisse verliehen hat ohne dass sie sich dafür legitimieren mussten, eine regelrechte Doppelmoral entwickelten.

So z.B. gestatteten sie sich beim Autofahren selbst eher eine Geschwindigkeitsüberschreitung als Anderen. Auch bei Reichen kann man diesen Hang zum Unmoralischen beobachten, führt der Psycholog Paul Piff von der University of California in Berkeley aus. Fahrer in teuren Wagen ignorieren besonders häufig Verkehrsregeln. Auch in Krisensituationen und Ausnahmesituationen werden Konflikte von Reichen und Mächtigen mit Ellebogen ausgetragen und begünstigen selbstsüchtigen Machtmissbrauch. Macht braucht Kontrolle. Moralische Grundregeln, hohes Verantwortungsbewusstsein, soziales Verhalten und Bestreben nach sozialer Gerechtigkeit im privaten als auch politischen Alltagsleben sowie permanente Legitimation durch entsprechende unabhängige Kontrollen verhindern Exzesse der Machthabenden. Machtmissbrauch muss in der Öffentlichkeit geahndet und zur Rechenschaft gezogen werden. Wechselseitige Aufsicht ist von Nöten.

Deshalb gibt es ja auch die Gewaltenteilung in Judikative, Legislative und Executive in der modernen Demokratie. Die Demokratie wird sonst ad absurdum geführt. Wer das Sagen hat, muss sich gegenüber der Öffentlichkeit laufend legitimieren und eine integere, aber auch mutige und charismatische Persönlichkeit sein. Vertrauen in die Politik wurde in der Vergangenheit zu oft von Politikern missbraucht. Politiker haben hier eine große Verantwortung zu tragen und sollten diese auch wahrnehmen. Damit das Vertrauen der Bevölkerung in eine moderne und funktionierende Demokratie langfristig zumindest wiederhergestellt werden kann. Globale Umweltpolitik mit politischem Versagen sowie fehlendes Vertrauen in die Politik weltweit - vor allem seitens der Jugend - ist hier beispielhaft anzuführen.

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