Schreibwerkstatt Teil I

Verfasst von: Marion Wolters
Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna gewannen im Oktober 2020 den Nobelpreis für Chemie. Beide forschen seit Jahren zum Thema Genome Editing (CRISPR/CAS9). Mehr dazu im Artikel "Genome Editing" der Autorin auf dieser Plattform in dieser Rubrik. Wie entstand dieser Artikel, der erstmals am 27.11.16 veröffentlicht wurde und am 9.9.18 aktualisiert wurde? Wie entstehen generell Artikel und wie lassen sie sich einordnen?

Bei der Auswahl des Themas stößt man zufällig auf ein zukunftsweisendes Thema wie Genome Editing. Wie ist die derzeitige kollektive Wahrnehmung hierzu? Wer sind die Hauptakteure? Das bedeutet sich an ein bereits zu einem anderen Thema geführtes Interview mit dem Max-Planck-Institut zu erinnern. Auch an einen Besuch im Metropol in Brüssel, wo die Solvey Konferenz mit Marie Curie, der ersten Frau, die einen Nobelpreis für Chemie erhielt, stattfand. Später folgte ein Laborbesuch in einem der führenden Biotechnologieunternehmen Deutschlands. Dort wurden die fachlichen Grundlagen erklärt und mittels der technischen Geräte auf eindrucksvolle Weise demonstriert. So wurden aus rein theoretischen Fakten reale Experimente, die in eigenen Erfahrungen mündeten.

Inwieweit lässt sich ein Gesprächspartner auf die vorbereiteten Fragen ein? Es ergeben sich zumeist unerwartete Momente und Elemente, die es vorübergehend einzuordnen gilt. Wichtig ist, die richtigen Worte zu wählen, damit die gestellten Fragen beantwortet werden. Es hilft, sehr aufmerksam zuzuhören um herauszufinden, wo der Gesprächspartner steht. Welches Gefühl gibt er mir mit seinen Worten und welche Themen lässt er komplett weg? Frage ich nach oder lasse ich die Informationen erst einmal stehen, um zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darauf zurück zu kommen? Welche emotionale Wahrheit vermittelt mir das Unternehmen, in dem ich gerade das Interview führe?

Jetzt liegt das Interview- und Recherchematerial vieler Stunden vor. Das ein oder andere ist noch unklar und wird durch weitere Recherchen deutlich. Wie beeinflussen die neuen Erkenntnisse den bereits begonnenen kreativen Schreibprozess? Je nach Art des Artikels kann ein ungewöhnlicher Einstieg dem Leser das Thema unmittelbar nahebringen. Welche Informationen lassen den Artikel zu dem Artikel werden, der er dann wird? Was bleibt von der ursprünglichen Idee, die man für diesen Artikel hatte, noch übrig? Jenseits der Stereotypen filtert man die Daten heraus, die dem Artikel eine neue Facette geben.

Welche Tonalität wähle ich um was zu erreichen? Ein aufrüttelnder, zur Handlung aufrufender Artikel wird anders geschrieben als ein Fachartikel über ein Forschungsthema. Ein poetischer Ansatz kann eine Story hoffnungsvoll beenden. Präsentiere ich verschiedene Informationen, Absatz für Absatz? Wie vielen Argumentationsansätzen biete ich in den begrenzten Zeilen ein Forum? Zum Schluss noch eine Frage und ein Satz mit einem Punkt: interpretiere ich die Welt für den Leser oder biete ich einen Artikel als geschützten Raum in einem öffentlichen Format an, das durch die Diversität seiner Informationen besticht? Ein Paradoxon, das zur Meinungsbildung beiträgt und Orientierung vermitteln mag, die sich die Lesenden durch eigenes Nachdenken selbst geben können. https://www.brainguide.de/Marion-Wolters#publikationen

TOP-Autoren auf Reporters.de

Feeds RSS Feeds