Meditation oder wie man sich selbst programmiert

Verfasst von: Marion Wolters
Meditation als Modewelle wirft Fragen auf. Skeptiker sehen sie als Mittel, Ideologien zu etablieren und boykottieren sie generell. Da bietet sich ein wissenschaftlicher Selbstversuch an. Meditation ist viele Jahrtausende alt. Sie wird in vielen Religionen und Traditionen praktiziert. Vielgelobt werden die positiven Auswirkungen auf die körperliche und mentale Verfassung. Doch das ist noch lange nicht das Wichtigste, was Meditation leisten kann. Zahlreiche Formen der Meditation erschweren dem Laien den Überblick. Auch unterstützt eine der Zeit und dem Kontinent angepasste Meditation den Anfänger bedingt die Übungen durchzuführen, da sie befremdlich wirken.

Eine genaue Recherche mag schon mal die wenigen für den Meditationswilligen geeigneten Formen herausfiltern. Diese befinden sich nicht immer in der eigenen Stadt, eine Online-Anleitung oder ein Buch bieten sich an. Besser ist es dennoch, sich einen Meditationslehrer oder eine Meditationsgruppe zu suchen. Die Meditationsanleitung erhält man dort von erfahrenen Lehrern, die korrigierend eingreifen können, wenn der neu Übende dies für erforderlich hält. Auch können gezielt Fragen gestellt werden und ggf. über irritierende Erlebnisse gesprochen werden. Es bietet sich eine ideologiefreie und scheinbar einfache Anleitung an. Zum Beispiel setzt sich der Meditierende auf einen Stuhl, schließt die Augen und lauscht den Geräuschen. Er beobachtet seine Gedanken ohne sie zu beurteilen.

Je nach Komplexität der Gedanken und des Lebens, das der Meditierende führt, kann es als ein fast unmögliches Unterfangen erscheinen, sich auf die Geräusche zu konzentrieren und konsequent bei sich zu bleiben. Bei täglichem Üben werden Konzentration und Aufmerksamkeit nach und nach besser werden. Auch lehrt ein guter Meditationslehrer Tricks, sich selber zu überlisten. Selbstkontrolle durch Selbstbeobachtung. Nicht minder schwierig ist das Experiment, sich selbst besser kennenzulernen. Sich die eigenen Gedanken und Gefühle bewusst zu machen, die eigenen Denkstrukturen zu erforschen. Der ein oder andere mag erstaunt feststellen, dass er sich gar nicht kannte. Dass er nicht wusste, dass er sich permanent in der Vergangenheit oder in der Zukunft befindet.

Das sein Geist sich mit Beurteilen und Optimieren immer in den gleichen Bahnen bewegt. Wenn er erkennt, dass sich seine Gedanken wiederholen und er seine Denkmuster zutiefst kennengelernt hat, wünscht er sich vielleicht, diese zu durchbrechen. An dieser Stelle setzt das nächste Experiment an: Wie kann man seine Gedanken durch andere Gedanken ersetzen und sich selbst verändern? Wie schnell, effektiv und nachhaltig geht das? Oder stellen sich bei der übernächsten Meditation wieder die alten Denkmuster ein? Und wie ist der Gesamtzustand? Wie viele Stunden schlafe ich?

Bin ich stressresistenter und wie viele Krankheitstage verzeichne ich im Jahr? Wirken sich die neuen selbstgewählten Denkmuster so auf mein Leben aus, wie ich es beabsichtigt habe? Wie sieht die Auswertung der messbaren Ergebnisse aus? Sind sie reproduzierbar? Kann ich diese Meditationsübung jederzeit und überall mit den gleichen Ergebnissen wiederholen (kann ich z.B. meinen Tumult im Kopf in 6 Minuten beseitigen, egal wo ich bin und was passiert ist oder habe ich gar keinen Tumult mehr im Kopf)? Wer Meditation als Zeitverschwendung angesehen hat, wird - wenn er ernsthaft und regelmäßig übt, erstaunt über die Ergebnisse sein. - Und es nicht bei den genannten Experimenten belassen wollen!

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