Die Stadtmusikanten besetzen im Dezember die Komische Oper

Verfasst von: Dipl. Päd. Selena Plaßmann
Die Stadtmusikanten
Die Stadtmusikanten  Bild: Selena Plaßmann
„Bir varmış bir yokmuş“ - Es war einmal ein Esel der hatte seinen eigenen Dickkopf! Die „Bremer Stadtmusikanten“ aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm wurden zum 70. Geburtstag der Komischen Oper Berlin als deutsch-türkische Kinderoper uraufgeführt und mit einem lustigen Kinderfest gefeiert. Die Botschaft war, dass es auch in scheinbar aussichtslosen Situationen Lösungen und Zusammenhalt gibt. Die Unterzeichen des chinesischen Schriftzeichens für Krise implizieren Gefahr oder Möglichkeit.

Bei den Gebrüdern Grimm sollen die „Stadtmusikanten“ aus Altersgründen, weil sie nicht mehr nützlich scheinen, im Suppentopf landen. Aufgrund dieser Mordabsichten wollen sie nach Bremen flüchten. Der Hintergrund der Tierfabel verdeutlicht Sinnverlust und Einsamkeit im Alter. Obgleich die Individuen ihre Lebenszeit damit verbrachten, die Umstände in der Gesellschaft zu verbessern, ist es im Gegenzug noch nicht gelungen, eine Oase für diese Episode des Lebens zu etablieren und die Erfahrungen der älteren Generation auf die Leinwand der Wirklichkeit zu integrieren. Auf ihrer Flucht besetzen die „Stadtmusikanten“ das Haus, in dem sich Räuber eingenistet haben. Dort finden sie einen Ruhesitz. Mit ihrem Aufbruch und Zusammenhalt erschaffen sie sich ein neues Leben.

Die Bremer Stadtmusikanten auf ihrem Weg (Bild: Selena Plaßmann)

In der Kinderoper werden die „Stadtmusikanten“ bestraft und gedemütigt, weil sie nicht den Erwartungshaltungen ihrer Besitzer oder vermeintlicher Freunde entsprechen. Der Esel, charismatisch dargestellt von Carsten Sabrowski, empört sich, als dumm bezeichnet zu werden. Sich seiner Würde bewusst, beschließt er nach Bremen zu ziehen um als Stadtmusikant Menschen mit seiner Musik zu erfreuen. Auf dem Weg trifft er einen tolpatschigen Jagdhund (von Adrian Strooper tenoral gesungen), der verjagt werden soll, weil er im Spiel versehentlich Dinge kaputt macht. „Was willst du hier, wenn sie dich nicht so nimmt, wie du bist?“ (Esel) Zusammen wandern sie weiter und finden am Wegrand eine „untröstliche“ Katze (von Katarzyna Wlodarczyk sopranig gesungen), die gerne mit Mäusen spielt, sie aber nicht töten will, und deshalb „ausgewechselt“ werden soll. „Kein Schnurren, kein Raufen, kein gemeinsames Wohlig-in-der-Sonne-Liegen mehr“.

Ängstlicher Hahn (Bild: Selena Plaßmann)

Auf der Balustrade einer Opernloge kräht ein Hahn (Andromahi Raptis) in Koloratursopran um sein Leben. Er soll im Suppentopf landen, weil er seine Gefühlsregungen - auch zu unpassenden Zeitpunkten - sofort heraus singt. Obgleich der Hahn sich total unmusikalisch fühlt, schließt er sich der verführerischen Vorstellung an, ein Stadtmusiker zu werden. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und wir haben genug Zeit gemeinsam zu üben.“ (Esel) Die Tierwesen wandern zusammen weiter und werden auf ihrer Reise fröhlich und stark. Um Bremen zu erreichen, müssen sie im Wald übernachten. Als Dunkelheit und Kälte hereinbrechen und sich Furcht unter den Gefährten ausbreitet, inspiriert die Katze, die sich auf Nachtmusik versteht, sich eng unter eine Decke zu kuscheln und träumend einen Entwurf von der gemeinsamen Vision als erfolgreiche Stadtmusiker zu wagen.

Erfolgreiches Traumquartett (Bild: Selena Plaßmann)

Auf dem Kinderfest wurden die kleinen Erdenbürger von Maske, Kostüm und Regie in die Tierfabelwesen verwandelt und darauf vorbereitet, Herausforderungen auf der Reise in ihr Märchenland spielerisch zu meistern. Ein großes Hindernis auf dem Weg in ein neues Leben ist die Angst davor, für das eigene Schicksal die Verantwortung zu übernehmen. Wird sie besiegt, können die Architekten der Zukunft ans Werk gehen. Ulrich Lenz verfasste das Libretto, für die deutsch-türkische Kinderoper über die Bremer Stadtmusikanten, die der aus Ismir stammenden Klarinettist und Komponist Atilla Kadri Sendil vertonte. Orientalische Klangkompositionen erinnerten an das Morgenland mit seinen Geschichten aus „Tausend und einer Nacht“ und fröhliche Jazzrhythmen beschworen wie auch die farbenfrohe Kostüme ein multikulturelles Szenarium herauf. Eine Hörspiel-CD mit der Geschichte, gesanglichen Höhepunkten mit Klavierbegleitung und einem gezeichneten deutsch-türkischen Comic gab es zusammen mit der Programminformation.

Einer für Alle - Alle für Einen (Bild: Selena Plaßmann)

„Wenn wir zusammen musizieren, wird es sicherlich herrlich klingen.“ (Grimmscher Esel) - Wiederholt wird in der deutsch-türkischen Kinderoper der Esprit und die Leidenschaft der Musketiere sichtbar, die es durch ihre Freundschaft und ihren Zusammenhalt schafften, die Übermacht der Gegner in Schach zu halten. Aus der Feder von Alexandre Dumas, dessen Gebeine als Ehrung ins Pariser Pantheon überführt wurden, entstand die literarische Vorlage für die berühmten Verfilmungen über „Die drei Musketiere“. Im Auftrag ihrer Majestät realisierten diese auch ihre eigenen Träume. “Gemeinsam sind wir stark und zusammen können wir unsere Träume verwirklichen.“ (Esel) - In der Stadt Bremen steht noch heute als Wahrzeichen die von dem Bildhauer Gerhard Marcks in Bronze gestaltete Skulptur der „Bremer Stadtmusikanten“. Wenn man die Vorderbeine des Esels anfasst, dann soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.

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