Die Faszination der bewegten Bilder

Verfasst von: Adina K. Haubner, BA
Die Ursprünge des Kinos
Die Ursprünge des Kinos  Bild: pixabay.com
Der Film ist heute ein fixer Bestandteil unseres täglichen Lebens. Sei es im Free TV oder auf Blue Ray, gemütlich von der Couch aus nach einem langen Arbeitstag, sei es ein sommerliches Freiluft Screening oder ein Freitragabend im Kino mit Freunden.

Dem Akt des Filmsehens ist im Artenreichtum seines Zelebrierens kaum eine Grenze gesetzt. Wir lieben es genauso sehr unsere Favoriten unter den Hollywood Stars und Sternchen in einer neuen Rolle auf der Leinwand zu sehen, wie wir es lieben sie zum hundertsten Mal in derselben Szene zu bewundern. Bei der immensen Auswahl die uns geboten wird, hat jeder einen anderen Grund warum er sich gerade diesen Film ansieht. Sei es wegen der Schauspieler, des Genres oder der Thematik, des Regisseurs oder Drehbuchautors wegen oder weil es die Verfilmung eines geliebten Buches oder Videospieles ist. Kaum jemand wird heute jedoch das Kino selbst als Grund dafür haben, ins Kino zu gehen.

Die historischen Vorgänger des Kinos waren Kuriositätenkabinette und Schaubuden, wie man sie noch heute von Jahrmärkten her kennt. Die wichtigste Aufgabe des Kinos vor 1906 bestand in der Zurschaustellung der Bilder an sich. Es ging um das Zeigen und Sichtbarmachen der bahnbrechenden Möglichkeiten des neuen Mediums. In der Méliès-Tradition ist die Funktion des Erzählerischen ein bloßer Vorwand um den geeigneten Rahmen, die geeignete Bühne, für die Trickeffekte zu schaffen. Denn was man eigentlich zeigen wollte, waren die Möglichkeiten der Effekte. Denn schon damals wusste man um die Kraft und Auswirkungen der richtigen Präsentation und deren illusionistische Macht auf die Zuschauer.

Prägnant für die Ausübung dieser Macht war die Verbindung, welche „Das Kino der Attraktionen“ - wie der Filmhistoriker Tom Gunning es bezeichnete - zum Publikum herstellte. Diese Verbindung wurde auf unterschiedlichste Arten praktiziert. So blickten die Schauspieler etwa direkt in die Kamera, was den Zweck hatte den Zuschauern das Wirken des Kinos immer wieder aufs Neue bewusst zu machen und stets aufs Neue seine Aufmerksamkeit zu fordern. Im Prinzip um seine Sichtbarkeit zur Schau zu stellen und das Publikum eben nicht, wie es heute gemacht wird, in einer fiktiven Realität versinken zu lassen.

Die technischen Möglichkeiten wurden auch nicht genutzt um die Erzählung noch authentischer und packender zu gestalten, sondern um mit technischen Kniffs - wie Rückwärtslauf, Zeitlupe, das Ersetzen von Bildern, Mehrfachbelichtung – selbst zu begeistern. Hier entstand eine völlig andere Art des Zuschauers, der nicht wie aus dem Theater gewöhnt, still und andächtig der Darbietung lauschen wollte, sondern, wie man es auch aus dem Varieté kannte, ein aktiver Teil der Show sein wollte. Denn im Varieté sangen die Zuschauer mit, tanzten, applaudierten laut, kommentierten sogar die Aussagen der Komiker und machten sich über diese lustig.

Die Schauspieler von damals genossen, im Vergleich zu heute, auch immense Freiheiten. So übten sie einen beträchtliche Einfluss auf ihre Vorführungen aus, schnitten die Filme sogar um und boten sie mit verschiedenen Zusätzen, wie etwa Geräuscheffekten oder von ihnen gesprochenen Kommentaren, an. Eine kleine künstlerische Freiheit die vielleicht nachvollziehbarer wird, wenn man bedenkt, dass nicht sie die Attraktion waren, sondern das Kino selbst. Es wurde nicht viel Mühe darauf verwendet, den von ihnen gespielten Charakteren Tiefe und Schliff zu verpassen und die Plakate warben nicht mit ihren Namen oder den Filmtiteln, sondern mit technischen Errungenschaften, wie dem Cinématograph und dem Vitascope.

Doch es ging nicht nur ausschließlich um die technischen Möglichkeiten, sondern es ging auch um die Bildung des Volkes. Die Geschichte des frühen Kinos stand ganz im Zeichen der Narration, wobei es jedoch im Speziellen um das erzählerische Medium ging. Von Spielfilmen war man hier noch etwas entfernt. Was stattdessen gezeigt wurde waren Tatsachenberichte und Nachrichten, denn die Tradition der Gebrüder Lumiere, welche mittels „Reise- und Nachrichtenreportagen“ versuchten dem gewöhnlichen Bürger etwas von den Aktualitäten seiner Umwelt und des Weltgeschehens näher zu bringen, verschwand selbstverständlich nicht schlagartig mit der Erfindung des Cinématograph.

Ab dem Jahre 1907 begann man sich der Narration im Sinne der Darstellung von fiktiven Erzählungen zuzuwenden und damit der Produktion von Spielfilmen. Das Kino orientierte sich immer deutlicher am herkömmlichen Theater und benutzte bekannte Schauspieler zur Generierung größerer Zuschauermengen. Die Prioritäten verlagerten sich vollkommen auf die Schaffung eines in sich schlüssigen, diegetischen Raumes, der die Geschichte in das richtige Licht rücken sollte. Die Schauspieler durften nicht mehr in die Kamera sehen und die Dramaturgie der erzählten Fiktion stand nun an erster Stelle. Trotzdem sind Varieté und technische Attraktionen nie zur Gänze aus dem Kino verschwunden.

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