Rezeptfreie Medikamente - auf dem Prüfstand

Verfasst von: Iris Gödecker
Lassen Sie es sich schmecken! (Bild: Tim Reckmann / pixelio.de)
Da die Krankenkassen nicht mehr so viele Medikamente bezahlen - beispielsweise bei einer Erkältung - greifen viele Menschen zu rezeptfreien Arzneimitteln. Der Hausarzt bleibt in diesem Fall außen vor. Dabei schneiden einige Präparate in Tests recht schlecht ab, und die Hersteller verdienen sich eine goldene Nase. Die Risiken werden leider unterschätzt. Achten Sie beim Kauf von rezeptfreien Arzneimitteln auf einige Dinge.

Sind Sie erkältet werden Sie sicher auch in die Apotheke gehen und sich erst einmal beraten lassen. Das gilt auch für rezeptfreie Medikamente gegen Schmerzen. Die meisten Menschen gehen gar nicht mehr zum Arzt, weil sie glauben, dass die Krankenkassen eh nicht mehr bezahlen und der Arzt kann sowieso nicht helfen. Das ist sehr problematisch. Nicht, dass die Menschen nicht auf sich selbst achtgeben können, sondern weil es sehr viele Arzneimittel gibt, die einfach nicht geeignet sind. Im Januar 2004 wurde ein neues Gesetz erlassen, dass Ärzte keine verschreibungsfreien Arzneimittel zu lasten der Krankenkasse verordnen. Eine Ausnahmeliste können Sie bei der Stiftung Warentest einsehen.

Stiftung Warentest hat einige Medikamente getestet. Jedes dritte Medikament ist eher nicht geeignet es zum Beispiel bei Erkältungen oder Schnupfen sowie Insektenstiche, Durchfall, Halsentzündungen und Verstopfung einzunehmen. Darunter befanden sich auch viele Kombipräparate. Das sind Präparate, die verschiedene Wirkstoffe in sich tragen (beispielsweise ein Schmerzmittel, das auch Wirkstoffe gegen Erkältungssymptome enthält). Ebenso befinden sich in vielen Präparaten Alkohol, der in relativ hoher Konzentration vorhanden ist. Oft ist das bei Erkältungsmitteln gegeben, die in der Nacht eingenommen werden. Was glauben Sie, wie viele rezeptfreie Arzneimittel im Jahr in Deutschland verkauft werden?

Es sind etwa 600 Millionen rezeptfreie Medikamente (Quelle: apothekerschaft.de). Dafür kauft jede dritte Person die Medikamente für die Selbstmedikation. Den Onlineversand sollten Sie noch dazurechnen. Rechnet man alle Umsätze der Apotheken zusammen, kommt man auf über sechs Milliarden Euro. Kaufen Sie rezeptfreie Medikamente, werden Sie wahrscheinlich einige Risiken unterschätzen. Damit ist nicht gesagt, dass die Apotheken schlecht oder gar nicht beraten. Nehmen Sie beispielsweise schon andere Medikamente ein (vom Arzt verschrieben) kann das mit rezeptfreien Arzneimitteln eine Wechselwirkung herbeiführen, die durchaus unterschätzt wird. Nehmen Sie noch andere Medikamente ein, machen Sie den Apotheker darauf aufmerksam.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat eine Nutzenbewertung einiger Medikamente erstellt. Diesie Bewertung zeigte, dass von 48 neu geprüften Medikamenten (Zusatznutzen) über die Hälfte (26) durchgefallen sind. Darunter waren unter anderem Arzneimittel gegen Multiple Sklerose, Epilepsie, Diabetes und Krebs. Resümee: Gehen Sie auf jeden Fall zu Ihrem Hausarzt und lassen Sie sich durchchecken. Das muss sicher nicht bei einem Schnupfen sein. Doch der Arzt kann Ihnen aufzeigen, was Ihnen helfen kann. Kaufen Sie nicht etwas, was Ihnen eventuell gar nicht hilft oder sogar schadet.

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