Insolvent - Der Schritt in den Abgrund

Verfasst von: Marc Störmer
In vielen privaten Bilanzen ist nur noch die Spaltenbeschriftung schwarz
In vielen privaten Bilanzen ist nur noch die Spaltenbeschriftung schwarz  Bild: Marc Störmer
Frankfurt, Mai 2016, immer mehr Bürger treibt es in die Insolvenz. Bevor sie sich zu diesem Schritt entschließen werden sie von Ängsten regelrecht zerfressen. Monatelang können sie nicht mehr schlafen, um ihre Gesundheit ist es nicht gut bestellt. Kurz vor dem Kollaps (Burnout) bleibt nur noch ein Ausweg. Die Privatinsolvenz. Was für Unternehmen selbstverständlich und relativ problemlos ist, ist für die Privatperson der große Schritt ins Abseits.

Mit knapp 140.000 Privatinsolvenzen in 2010 ist die Insolvenzrate in 2015 wieder leicht rückläufig. Doch immerhin noch 108.000 Privatinsolvenzen - das entspricht ca. 300 neu eröffneten Privatinsolvenzen täglich - lassen erahnen, wie hoch die Dunkelziffer wirklich ist. Der Schritt in die Privatinsolvenz ist ein Schritt in das soziale Abseits und wird von den betroffenen sehr sorgfältig abgewogen. Bei einer Laufzeit von 6 Jahren für die Abwicklung der Insolvenz, in der sich der Schuldner nichts mehr zu Schulden kommen lassen darf - sonst können die Gläubiger einen Antrag auf Ablehnung der Restschuldbefreiung stellen -  begeben sich viele für lange Zeit ins Abseits der Gesellschaft und werden dort scheinbar nur noch "geduldet".

Auslöser einer Insolvenz

Eine Insolvenz kann durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Eine Krankheit, eine Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit oder einfach finanziell falsch spekuliert um eine kleine Auswahl der häufigsten Ursachen zu nennen. Nicht selten ist es auch das Finanzamt, dass am Jahresende unvorhergesehen mit einer hohen Einkommenssteuerforderung oder Umsatzsteuernachzahlung ins Haus flattert. Bei den derzeitigen finanziellen Verhältnissen der meisten Familien in Deutschland, genügt oft auch schon einfach nur die Abrechnung der jährlichen Nebenkosten der Mietwohnung um ein starkes finanzielles Ungleichgewicht auszulösen. Trotz der Mindestlohnregelung reicht das Einkommen der meisten Familien in Deutschland nicht mehr aus, um sich ausreichend Lebensmittel, Kleidung, Wohnung und einen Urlaub zu finanzieren.

Nach der Einführung des Euro wurden die Löhne und Gehälter dem Faktor entsprechend um die Hälfte herunter gerechnet. Bei Lebensmitteln nur anfänglich. Bis die Kosten schließlich zwischen 60 % und weit über 100 % für dafür gestiegen sind. Kostete eine Tafel Schokolade damals circa 99 Pfennig, so zahlt man dafür heute gut und gerne einen Euro. ein Mars damals 60 Pfennig, heute 69 Cent (eine Verteuerung um mehr als 100 %). Eine Tasse Kaffee in einem Lokal damals 2,50 DM, so zahlt man heute gut und gerne zwischen zwei und vier Euro. Das entspricht ebenfalls einer Verteuerung von weit über 100 %. Die Politiker sprechen von "normaler" Inflation.

Schuldner wollen oder können oft nicht erkennen dass sie insolvent sind und versuchen durch noch höhere Verschuldung eine Weile ihre Kosten weiter zu decken. Bank- und Kreditkartenkonten werden bis zum Limit ausgeschöpft. Briefe von Finanzamt und Online-Versandhäusern gehen reihenweise ein. Der Gerichtsvollzieher fühlt sich bei ihnen schon bald zu Hause. Mahnungen, Vollstreckungsankündigungen, Schreiben von Gericht und Gläubigern lassen dem Schuldner keine Ruhe mehr. Verzweifelt wird nach einem Ausweg gesucht. Er scheut sich davor einzugestehen das die laufenden Kosten nicht mehr gedeckt werden können. Letzter Ausweg: Privatinsolvenz.

Formalitäten

Der Antrag auf eine Insolvenz ist gar nicht so einfach, er ist sogar sehr schwierig. Der Schuldner benötigt dringend anwaltliche Hilfe. Wer in Google nach Hilfe und einem Anwalt sucht, der wird schnell fündig. Durch die Beauftragung eine Anwaltes kommen zwar weitere Kosten auf einen zu, die man jedoch nicht scheuen sollte. Die Kosten zwischen 300 € und 500 € für den Anwalt sind in der Regel bei Weitem niedriger als die angehäuften Schulden, die auf lange Sicht ohnehin nicht getilgt werden können. Damit der Antrag letzen Endes nicht bei Gericht scheitert, sollte der Gang zum Anwalt keinesfalls gescheut werden.

Der Anwalt bereitet alle Formulare vor, stellt an den Schuldner die notwendigen Fragen und fertigt einen Antrag der bei Gericht eingereicht werden kann. Dort sind dann keine formalen Fehler enthalten und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens steht nichts mehr im Wege. Nachdem der Anwalt alle Formulare und den Antrag auf Privat-Insolvenz vorgefertigt hat, muss er nur noch vom Schuldner unterschrieben und selbst bei Gericht zur Entscheidung eingereicht werden. Sobald die Gerichtsgebühr entrichtet wurde, wird der Antrag bearbeitet und relativ schnell darüber entschieden. Von nun an begibt sicher Schuldner in die Wohlverhaltensphase. Um ihn in der Wohlverhaltensphase zu unterstützen, bestellt das Gericht für ihn einen Insolvenzverwalter. 

Der Insolvenzverwalter erledigt alle weiteren Formalitäten. Er unterrichtet den Schuldner darüber, wie viel er künftig verdienen darf und wie viel er abführen muss, wenn er diesen Satz überschreitet. Daher muss er dem Insolvenzverwalter gegenüber regelmäßig sein Einkommen nachweisen. Sollte der Schuldner aus welchen Gründen auch immer einen Mehrbedarf über den Freibetrag hinaus haben, so muss er dies mit seinem Insolvenzverwalter besprechen und bekommt diesen Mehrbedarf dann genehmigt. Im Gesellschafts- und Freundeskreis wird der Schuldner auf der Erfolgsleiter schnell einige Stufen unter dem Kleinverdiener angesiedelt. Für viele ist das kaum zu ertragen.

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Artikelsignatur: Marc Störmer | Autoren-Ressort: mstoermer.reporters.de
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